"Hallo" ist das Pfandleihhaus des "Aufwiedersehn"...



Splitter

Er sagte: „Gebrochene Herzen nimmt man für Fensterglas. Und Fenster, wie Du siehst, gibt es überall.“ Ich: „Und was macht man mit all ...

Montag, 15. August 2016

Einhundert Sonnen löschten sich


Einhundert Sonnen entfachten sich

Taten sich einhundert Schwarze Löcher auf

Einhundert Münder zu stopfen

Mit dem Licht als einhundert Pfropfen

Einhundert Sonnen entfachten sich



Einer kam, einer ging, einer wartete, einer verging

Einhundert Sonnen entfachten sich



Einhundert Sonnen löschten sich

Taten sich einhundert Schwarze Sterne auf

Einhundert Gewänder zu nähen

Mit dem Licht als einhundert Spindeln

Einhundert Sonnen löschten sich



Einer erneuerte, einer wagte, einer hielt, einer befragte

Einhundert Sonnen löschten sich



Einhundert Sonnen entfachten sich

Einhundert Sonnen löschten sich

Zweihundert Sonnen verschmolzen sich

Zu Tageslicht

Bewachten sich

Mit einhundert Sonnen, mit einhundert Sonnen nicht



Einer antwortete, einer befahl, einer fiel, seiner Wahl

Mit zweihundert Sonnen

Zu Tageslichte

Mahl







*


(Für jetzt, für immer, für immermehr.)













Sonntag, 26. Juni 2016

Was Du mir noch sagen wolltest


„Weißt Du, es gibt nur drei Gründe. Und vielleicht bist Du noch nicht einmal einer davon. Und könnte ich Dir davon erzählen, wie es dazu kam, wie es sich ergab, daß Du mich ohne Lächeln zurückließt, könnte ich Dir mehr als drei Gründe geben, warum es wohl besser ist, nie von Dir angelächelt zu werden. Und könntest Du erahnen, wie schwer es mir fällt, Dir zu sagen, wie es sich anfühlt, wie es geschah, warum Dein Lächeln so unsagbar schwer auf meinen Lippen liegt, daß mir die Stimme versagt, könnte ich Dir drei weitere Gründe geben, meine Lippen zu spalten, nur müßte ich dann entscheiden, wozu ich diesen Spalt dann benutzte: Zu atmen. Oder zu sprechen.

Und in der Wahl, beides zu tun, während Du mich anlächelst, fällt es mir unheimlich schwer, auch noch zurückzulächeln. Verlangtest Du einfach zu viel. Das mag Dir vielleicht egal sein. Aber es geht nicht immer so einfach, wie Du es Dir vorstellst. Kannst Du nicht von mir erwarten, von mir das zu bekommen, was Du Dir wünschst. Legst Du den Tag in Deine Worte, liege ich in der Nacht wach. Und dann, wenn Du nicht lächelst, weil Du dann schläfst, finde ich endlich die Worte, Dir begreiflich zu machen, was es bedeutet, von Dir vor die Wahl gestellt zu werden. Und es sind keine Worte, die Dir gefallen mögen, aber meine einzige Möglichkeit, sie mal auszusprechen, ohne von Dir niedergelächelt zu werden. Für Dich ist alles nur Spaß. Für Dich scheint immer die Sonne. Für Dich ist immer alles nur Regenbogen. Und vielleicht gelingt es Dir sogar, auf dem spazierenzugehen. Und vielleicht führt der Dich auch weiter. Gelingt Dir einfach immer alles. Und vielleicht kannst Du sogar einen Regenbogen aus dem Nichts erschaffen, wo sonst nur Luft ist, und hast wieder Boden unter den Füßen, auf dem Du dann weiterschreitest. Und ich gönne es Dir von ganzem Herzen. Aber ich kann das nicht. Ich habe Verpflichtungen. Ich habe Sorgen, die Du Dir gar nicht ausdenken kannst, so viele, daß selbst Deine Phantasie nicht ausreicht, Dir auch nur annähernd vorzustellen, was es bedeutet, Mutter zu sein. Und es bricht mein Herz. Und es bricht mein Herz, mir vorzustellen, wie knallhart Du bist und wie knallhart Du wärst, wenn ich auf Dein Lächeln eingegangen wäre, wenn es mit uns geklappt hätte, und Du mich wieder vor eine Wahl gestellt hättest, nur weil Du das so entschieden hast, ohne mich überhaupt zu fragen. Nur weil Du lächelst. Ich treffe meine eigenen Entscheidungen. Und ich muß dabei auch an mich denken. So stelle ich mir keine Beziehung vor. Und fielen mir noch drei weitere Gründe ein, und es mögen noch nicht einmal gute Gründe sein, aber mir reichen sie, reicht jeder einzelne davon aus, zu jedem Deiner dreihundert verschiedenen Lächeln, Nein zu sagen.

Weil ich, nachdem ich endlich tief einatmen konnte, sprechen konnte.

Und Du verstummtest.


Endlich.“










*