"Hallo" ist das Pfandleihhaus des "Aufwiedersehn"...



Miniaturen des Absurden

Betrete mit der Miene der Abfälligkeit und erhalte Einlaß

Vom Jardin du Luxembourg zum Panthéon brauchte es schon mehr als platonisches Innehalten, um sich Gehör für Gesehenes zu verschaffen. Da...

Montag, 10. März 2025

Schatten ist schneller als Licht - er ist schon halb da.

 

Die Weisheit.



Geschichten-Idee: In einer kleinen Stadt... 


In einer kleinen Stadt ist alles pleite. Alle sind verarmt, kein Geld ist da. Wie der Zufall es will, lebt in dieser kleinen Stadt ein Milliardär. Der hat keine Erben. Und so kommen die Bewohner auf die Idee, den Milliardär umzubringen, damit das Geld an die Stadt geht. Sie diskutieren. Und sie reden. Und am Ende beschließen sie den Mord. Zum Wohle der Stadt. Das ist die Geschichte. Keine Moral. 


Nachtrag: Kann man auch im Mittelalter spielen lassen. Oder in der Antike. In der Zukunft. Ist allgemein gültig. Kann man ausschmücken. Oder es lassen. Kann man als Kurzgeschichte schreiben. Oder als Miniatur, also noch kürzer. Oder als Roman. Oder als Erzählung. Als Film. Oder Theaterstück machen. Man kann sich die Idee stehlen lassen. Und wenn man sich die Idee stehlen läßt, dann sollte die Geschichte, die keinen Titel hat, einen Titel bekommen, der wie eine Weisheit klingt. Man sollte ihn erfinden. Damit die Weisheit schon die Geschichte ist. Und ist die Geschichte gestohlen, so bleibt die Weisheit. Weisheit ist nicht stehlbar. Nur unnehmbar. 

"Auf dem Dollarschein siehst Du irgendwie größer aus.". Das könnte man als Titel nehmen. Ist aber keine Weisheit. "Träumen mechanische Milliardäre von elektrischen Geldautomaten?". Klingt zu sehr nach "Blade Runner". Die Weisheit muß bleiben, wenn alles verloren ist. Obwohl "Mechanische Milliardäre" nicht schlecht klingt. "Offene Schreie am Fenster". "Schreie aus dem offenen Fenster". Irgendwie geschieht ja ein Mord. Was ich nicht mag. Und auch ein Schrei geht verloren. Der Titel der Geschichte sollte auch nicht so hochtrabend sein, wie der Titel eines gelangweilten Bildes von Neo Rauch. "Die Pfändung". Mit dem Tod bezahlt man seine Schuld. Die Kleinstadtbewohner töten ja den Milliardär. Langweilen sich die Menschen auf Neo Rauchs Bildern? Sind sie vom Maler gelangweilt? Da kommt irgendwie nichts Neues.

Immer dieselben gelangweilten Bilder. "Gelangweilte Bilder". So könnten Bilder von Neo Rauch heißen. "Namen auf Pergament, im Feuer". Hat ihm 100 Millionen eingebracht. Gerhard Richter hat 700 Millionen. Auch nicht schlecht, aber wir brauchen einen Milliardär. 

Jetzt schreibe ich schon mehr als die Geschichte lang ist, die hat 3, 4 Zeilen. Dabei ist alles gesagt. Nur die Weisheit fehlt. Sie fehlt. Aber ist nicht verloren. Sie kommt. Oder auch nicht. Sie geht aber nicht verloren. Ich erwähne schon Namen. Kleider machen Leute? Namen machen Leute! Der Vorname macht was mit dem Menschen. Verrückte Vornamen führen zu verrückten Menschen. Was macht der Name "Neo Hanno - neuer Hanno" aus dem Menschen? 

"Fliegendes Flugzeug" ist ein schönes Wort. Ist auch ein schöner Titel für einen Roman. Oder für einen Geschichtensammelband: "Fliegende Flugzeuge". "Singende Flugzeuge", fällt mir gerade ein. Aber einen Titel für die Geschichte hab' ich noch nicht. Kunst ist auch eine Idee, daß man eine Idee hat: Ich möchte gern Kolosse von Rhodos über die Hunte bauen! Fünf Riesen neben der Huntebrücke. Ein Riese von Stephan Balkenhol. Ein Riese von Thomas Schütte. Drei Riesen steuere ich bei. Das traue ich mir zu. Kunst ist einfach: Sie darf mich nicht langweilen. Literatur ist noch einfacher: Ich habe schon längst die Hoffnung auf gute Literatur aufgegeben. Nach mir gibt's nichts mehr. "Nach mir gibt's nichts mehr", das wäre schon der Titel. Der Titel der Geschichte. Der mit dem Milliardär. Der ermordet wird. Wegen dem Geld. Ist ein schöner Titel. Fehlt jetzt nur noch die Weisheit.


Schatten ist schneller als Licht - er ist schon halb da.


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Sonntag, 22. September 2024

Das ist keine gute Idee, aber eine Idee.

Wenn ein Blitz blitzt, kommt er von oben nach unten und das andere Viertel kommt ihm vom Boden entgegen. Es kann auch ein Drittel sein. Oder die Hälfte. Mehr als die Hälfte aber nicht. Sonst blitzt es ja nach oben. Blitze haben eine Vorstellung von Verhältnismäßigkeit, zuviel Aufwand scheuen sie. Und Blitze sind sehr scheu. Blitze blitzen nur, wenn es anders nicht mehr geht. Wenn all das Grollen nicht hilft, all das Grummeln keine Lösung bringt, dann suchen sich Blitze eine Erhebung, etwas, das ein wenig herausragt, es reicht schon ein bißchen, nur ein wenig weg vom Boden. Dann beschauen sie von oben, lohnt sich das Aufladen? Nein, aufgeladen sind sie schon. All das Geschiebe, all das Aneinanderstreifen, all das Ausdemweggehen da oben in Himmelwolken, all die Antouchungen, all das Gedränge, all die Touchierungen, all die mühseligen Tschuldigungen, all die unbequemen Rechtsagungen, Rechtmachungen, Rechtfertigungen. Dann sind sie aufgeladen. Dann sind sie kurz vor'm Knall. Und es muß eine Menge zusammenkommen, sie müssen die Wolken zusammenbringen, sie müssen viel bewegen und sie müssen sich viel bewegen, all das viele Bewegen müht sie, immerzu bewegen, nicht einfach Ruhe geben, sich einfach eine Stelle am Himmel suchen, der ruhig ist und sich einfach mal nicht bewegen, einfach nur mal kurz ruhen. Aber, wenn selbst sie mal ruhen, sind alle Aufladungen, Einladungen, Scheinladungen, Reinladungen noch in ihnen drin, sie zappeln, sie zustern, zisseln, summsen, knisseln. Auch in aller Ruhe schauen sie - hier geht es viel um's Schauen und Beschauen, weniger ums Beschautwerden - sich um, in ihren Möglichkeiten, und diesen sind sie beraubt und, wie ich schon in den Himmel trotze und ihm abfällig gegenüber schon gesagt habe, wenn man alle Möglichkeiten hat, hat man keine, wenn man keine Möglichkeiten hat, hat man alle, gegen alle Widrigkeiten, wenn sonst genehm, die Sonne blendet und warten muß, bis sie sich bewegt, bewegte man sich mit ihr, wäre man verfolgt und folgte nur ihr in den ersehnten Schatten, der schneller ist als man sich selbst bewegen könnte, wartet man also einfach ab, bis sie hinter Bäumen, die es hoffentlich immer gibt, schwindet oder doch nur Wolken, die so unzuverlässig sind, daß sie sie immer wieder durchlassen, zulassen, muß man warten, auch wenn man nicht warten kann, jetzt nicht mehr und jetzt einfach nicht und gleich auch nicht, muß man aushalten, auch wenn man nicht aushalten kann, jetzt einfach nicht, muß Wissen haben, daß es vorübergeht, jetzt einfach nicht, und muß man Zeit haben, jetzt einfach nicht, und muß man Vermögen haben, jetzt einfach nicht, müßte man nicht. Währenddessen wollen - das Wollen erwähne ich aus verständlichen Gründen nur wenig - Blitze in all ihrer Ruhe nach Bewegung, Bewegung, Bewegung knallen, einfach nur knallen. Ruher. Das dauert noch. Kommt ihnen endlich etwas entgegen? Können Blitze das richtig einschätzen? Gibt es nicht so viele Erhebungen! Welche ist die Richtige? Lohnt sich die Müße? Lohnt sich die Mühe?

Welche Mühe?

Die Erhebung müht sich, Perspektivwechsel. Ab wann gibt sich die Erhebung, die sich aufrichtete, dem Boden sagte, nein, ich bin nicht flach, ich stehe, hocke, kniee, liege, bocke, trotze, ängstige und ermutige, keine Mühe mehr? Ab wann verschwindet sie, die sich aus dem Boden entrißte, und sagt, dem Blitz, mühe selbst! Du bist ein Blitz, verschwinde! Keiner kann Dich leiden! Keiner braucht Dein Gekrache!

Keiner lebt ohne Dich am Boden auch nur einen Deut weniger! Du richtest Deine Aufmerksamkeit auf uns, wenn es Dir paßt! Es paßt uns nicht! 

Uns auf dem Boden paßt es nicht, wir wollen auch erhoben sein, einfach nur, weil wir es können, wir wollen erhaben sein, einfach, weil wir es wollen! Du genügst uns nicht!

Du genügst uns nicht.

Ein Blitz ist von uns Aufrechten abhängig. Wir Aufrechte sind nicht von einem Blitz abhängig. Ein Blitz ist abhängig von unserem Entgegenkommen. Egal, wie hell er grollen könnte. Bleib oben. Hier unten ist kein Platz für Dich. Du bist nicht willkommen, Du bist unerwünscht, Du bist unhöflich und unfreundlich. Mürrisch und wankelmütig.

Du bist unhöflich und unfreundlich. Mürrisch und wankelmütig.


Du bist, was Du bist, deshalb suchst Du in uns das, was Dir mangelt. Leide.



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