Geschichten-Idee: In einer kleinen Stadt...
In einer kleinen Stadt ist alles pleite. Alle sind verarmt, kein Geld ist da. Wie der Zufall es will, lebt in dieser kleinen Stadt ein Milliardär. Der hat keine Erben. Und so kommen die Bewohner auf die Idee, den Milliardär umzubringen, damit das Geld an die Stadt geht. Sie diskutieren. Und sie reden. Und am Ende beschließen sie den Mord. Zum Wohle der Stadt. Das ist die Geschichte. Keine Moral.
Nachtrag: Kann man auch im Mittelalter spielen lassen. Oder in der Antike. In der Zukunft. Ist allgemein gültig. Kann man ausschmücken. Oder es lassen. Kann man als Kurzgeschichte schreiben. Oder als Miniatur, also noch kürzer. Oder als Roman. Oder als Erzählung. Als Film. Oder Theaterstück machen. Man kann sich die Idee stehlen lassen. Und wenn man sich die Idee stehlen läßt, dann sollte die Geschichte, die keinen Titel hat, einen Titel bekommen, der wie eine Weisheit klingt. Man sollte ihn erfinden. Damit die Weisheit schon die Geschichte ist. Und ist die Geschichte gestohlen, so bleibt die Weisheit. Weisheit ist nicht stehlbar. Nur unnehmbar.
"Auf dem Dollarschein siehst Du irgendwie größer aus.". Das könnte man als Titel nehmen. Ist aber keine Weisheit. "Träumen mechanische Milliardäre von elektrischen Geldautomaten?". Klingt zu sehr nach "Blade Runner". Die Weisheit muß bleiben, wenn alles verloren ist. Obwohl "Mechanische Milliardäre" nicht schlecht klingt. "Offene Schreie am Fenster". "Schreie aus dem offenen Fenster". Irgendwie geschieht ja ein Mord. Was ich nicht mag. Und auch ein Schrei geht verloren. Der Titel der Geschichte sollte auch nicht so hochtrabend sein, wie der Titel eines gelangweilten Bildes von Neo Rauch. "Die Pfändung". Mit dem Tod bezahlt man seine Schuld. Die Kleinstadtbewohner töten ja den Milliardär. Langweilen sich die Menschen auf Neo Rauchs Bildern? Sind sie vom Maler gelangweilt? Da kommt irgendwie nichts Neues.
Immer dieselben gelangweilten Bilder. "Gelangweilte Bilder". So könnten Bilder von Neo Rauch heißen. "Namen auf Pergament, im Feuer". Hat ihm 100 Millionen eingebracht. Gerhard Richter hat 700 Millionen. Auch nicht schlecht, aber wir brauchen einen Milliardär.
Jetzt schreibe ich schon mehr als die Geschichte lang ist, die hat 3, 4 Zeilen. Dabei ist alles gesagt. Nur die Weisheit fehlt. Sie fehlt. Aber ist nicht verloren. Sie kommt. Oder auch nicht. Sie geht aber nicht verloren. Ich erwähne schon Namen. Kleider machen Leute? Namen machen Leute! Der Vorname macht was mit dem Menschen. Verrückte Vornamen führen zu verrückten Menschen. Was macht der Name "Neo Hanno - neuer Hanno" aus dem Menschen?
"Fliegendes Flugzeug" ist ein schönes Wort. Ist auch ein schöner Titel für einen Roman. Oder für einen Geschichtensammelband: "Fliegende Flugzeuge". "Singende Flugzeuge", fällt mir gerade ein. Aber einen Titel für die Geschichte hab' ich noch nicht. Kunst ist auch eine Idee, daß man eine Idee hat: Ich möchte gern Kolosse von Rhodos über die Hunte bauen! Fünf Riesen neben der Huntebrücke. Ein Riese von Stephan Balkenhol. Ein Riese von Thomas Schütte. Drei Riesen steuere ich bei. Das traue ich mir zu. Kunst ist einfach: Sie darf mich nicht langweilen. Literatur ist noch einfacher: Ich habe schon längst die Hoffnung auf gute Literatur aufgegeben. Nach mir gibt's nichts mehr. "Nach mir gibt's nichts mehr", das wäre schon der Titel. Der Titel der Geschichte. Der mit dem Milliardär. Der ermordet wird. Wegen dem Geld. Ist ein schöner Titel. Fehlt jetzt nur noch die Weisheit.
Schatten ist schneller als Licht - er ist schon halb da.
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