"Hallo" ist das Pfandleihhaus des "Aufwiedersehn"...



Miniaturen des Absurden

Betrete mit der Miene der Abfälligkeit und erhalte Einlaß

Vom Jardin du Luxembourg zum Panthéon brauchte es schon mehr als platonisches Innehalten, um sich Gehör für Gesehenes zu verschaffen. Da...

Montag, 10. August 2026

Female Fatigue.

 


Die Zeit-um von gestern.






So, 17:45 Uhr, und die Bord-Zeitung der Titanic "Die Zeit-um" so: "Gerüchte über eine Kollision mit einem Eisberg sind rassistisch!". Oder: "Verschwörungstheorie über Kollision mit einem Eisberg". Oder: "Fake-News über Kollision mit einem Eisberg". Oder Analyse: "Warum Eisberge misogyn sind -und was man dagegen jetzt tun kann".

18:13 Uhr, früher schruben sie bei Twitter, um bekannt zu werden. Heute schreiben sie für "Die Zeit-um", um entkannt zu werden. Ich gucke Youtube. Aber ab und zu gucke ich Instagram, um die Lobby zu checken. Die übliche Instagram-Seite auf dem Laptop sieht so aus: Oben links ist das Cover des neuen oder ersten Buchs. Dann sind Mug-Shots, also Fressebilder der Autoren rechts und darunter angeordnet. Die Autoren schruben alle bei Twitter, bevor es X wurde. Zeitungen haben dann die Twitter-Autoren eingestellt, um Artikel so zu schreiben, wie sie auf Twitter schreiben, dann haben Verlage die von Zeitungen eingestellten Twitter-Autoren eingestellt und beauftragt, Bücher so zu schreiben, wie sie auf Twitter schreiben. Dann haben die Twitter-Autoren auf ihrer Instagram-Seite ihre neu-geilen Cover nach oben links gesetzt, in den Kommentaren Shills, also bezahlte oder unbezahlte Lobhudler, die jeden Schrott und Slop verteidigen, weil sie ihn verteidigen müssen, oder die Autorin bumsen wollen. Dann haben Instagram-Stalker nicht mehr die Instagram-Seiten der Twitter-, Zeitungs-, Verlags-Autoren geguckt, weil immer das gleiche Gebumse, dann sind Instagram-Autoren zu Youtube gegangen, weil sie durch Klicks gefickt werden wollen, weil das geguckt wird, sind aber entsetzt, daß sie keine Klicks haben, und ungebumst bleiben, obwohl sie die Geilsten sind. Dann sind Zeitungen zu Youtube gegangen, weil das geguckt wird, dann ist das Staatsfernsehen zu Youtube gegangen, weil das geguckt wird, geguckt werden aber nur Clan-Krimminelle (Spiegel), Handwerker, Tiny Haus und Wohnen (Staatsfernsehen) und Internet-Slop (Die Zeit). All die schönen Instagram-Autoren, die sich "Schriftsteller" nennen lassen, aber lieber Millionärs-Wives wären, werden nicht auf Youtube geglotzt. Hemingway und Thomas Mann waren Schriftsteller. Nicht Deine übliche Zeitungs-, Fernsehns-, Verlags- und Buch-Hure.

Zeitung. Mit der Zeit stehengeblieben. Um Zeit abzusitzen. Zeit verschwenden. Zeit um.

Die far-left-e Zeitung "Die Zeit-um" - nicht zu verwechseln mit der Zeitung "Die Zeit", um sie nicht mit der "Zeit-um" zu verwechseln, die ist nie um, die Zeit, außer in einem Schwarzen Loch, dann ist "Die Zeit" um, wie bei der "Zeit-um", ob far-left oder Left Over, drum gehe nie alleine in ein Schwarzes Loch, nimm einen Beobachter mit, der verändert durch das Beobachten das Geschehen-Sehende, sonst ist auch Deine Zeit um, sei's drum - hat ja eine Paywall, eine Mauer. Sie haben sich eingeschlossen. Es ist eine Gefängniszeitung. Nur die Gefängnisinsassen können sie lesen. Mit strengen Gefängnisregeln. Und kleinen, heimlichen Phluchten der Insassen. Draußen liest sie keiner, der nicht ins Gefängnis will. Daher berichten auch andere Zeit-ummen, die man in Freiheit lesen kann - wohl, weil sie wohl nichts anderes zu tun haben, oder doch Nägel schneiden für den Badesee? -, auch über Artikel, die im Gefängnis innen drinnen erschienen sind. Die kleinen, heimlichen Phluchten finden im Geheimen statt. Kleine, beschriebene Papierröllchen werden nach draußen geschmuggelt. Jede Revolution fängt mit einem Lächeln an. Gefängniswärter werden angelächelt. "Nein. Alles gut.", sagt man freundlich. Und lächelt. Bis zum nächsten Aufschluß. Nun, wie dem auch sei. Sie berichten drüber. Sonst wüßte man nichts von ihr. Das ist schon meta. Sonst würde niemand erfahren, was da drinnen vor sich geht, was da besprochen wird. Gruselig ist, wenn eine Gefängniszeitung über eine andere Gefängniszeitung schreibt. Das ist meta-meta-gaga. Es schreiben Zeit-ummen über andere Zeit-ummen, und die schreiben wieder über die erste Zeit-um. So geht das hin und her. Manchmal berichten sie über Gefangenenaustausch. Dann wechselt ein Gefängnisinsasse von einer Gefängniszeitung zur anderen Gefängniszeitung in einem anderen Gefängnis. Dann sind sie auf Transport. Keine Sau interessiert das. Keiner liest mehr Zeitverschwendungen. Keiner liest mehr Zeitungen. Zeit um. Wenn, dann liest man kleine, beschriebene Papierröllchen. Heimliche Phluchten. Heimliches Auflachen. Heimliches Freu-hehe-en. Ansonsten: Heute findet sowieso alles auf Youtube statt. Findest Du nicht auf Youtube statt und hast Klicks, findest Du nicht statt.

Was ich so auf Youtube gucke: So, 05:14 Uhr, sehe gerade eine Doku über Sophie Taeuber-Arp von 2013, die Frauen vor 13 Jahren waren freundlicher, was ist passiert? Gucke jetzt eine Kunstdoku über die Neue Leipziger Schule. So, 00:08 Uhr, immer noch Doku Neue Leipziger Schule, da gerade ein gutes, angeblich afrikanisches Sprichwort "Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht." Warum bin ich nicht darauf gekommen? Und die Bäume haben alle ihre Blätter, schön! Die Blätter haben all ihre Bäume. Noch schöner. Fällt mir gerade ein, zum Sommer vorm Fenster. Baden auch schön. Ich schreibe ja Tagebuch. So, 01:42 Uhr, gerade eine Doku über Max Beckmann gesehen, den Maler, es sind immer die phantasielosesten, kreativlosesten Menschen, die in Museen arbeiten, mit durchgeknallten Frisuren und grellem Lippenstift. Man möchte sie, vom Maler abstrakt bemalen lassen. So, 23:55 Uhr, Neo-Rauch-Doku, Leipzig ist seine Heimat, ich bin nicht in meiner Heimat, (Frauenname) ist meine Heimat. So, 23:37 Uhr, gucke eine Doku über Gerhard Richter von 1992, damals war er 60 Jahre alt, da sieht man ihn auch malen, die richtigen Bilder, gut. Alle Maler und Bildhauer, die ich mir ansehe, haben das Malen gelernt. Sie haben es ge-lernt. Wie ein Bäcker oder Metzger oder Fleischer. Durchs Bäckern, durchs Metzgern, durchs Fleischern. Ich habe das Schreiben gelernt - das sage ich ganz selbstbewußt - durch das Schreiben, das Bäckern, das Metzgern, das Fleischern eines Romans, 8 Stunden am Tag, eher in der Nacht, 5 Jahre lang, 5 Nächte die Woche, 1.255 Seiten. Versteckt, wie "Hallo" ist das Pfandleihhaus des "Aufwiedersehn". Und schön. Und schrecklich. Und dann kommt noch Biographie dazu. Und (Frauenname). Hab' spät angefangen. Mit 32. Ich wollte ein Buch schreiben, und hab' es getan. Ich hab' damit alles gesagt, mit dem Buch, was ich zu sagen hatte. Jetzt schreibe ich nur noch im Liegen, links seitlich liegend im Bett, schön gemütlich, das hier alles, all die Miniaturen des Absurden, all die Geschichten, all die Aufbegehrungen, sind nur mehr Gemurmel vor dem Einschlafen. Es sollen keine schlimmen Träume werden. Werden sie aber. Es sind diejenigen, denen man es nicht zutraut, die Dinge können, die andere für sich behaupten. Solange sie Biographie haben, können sie für sich etwas erschaffen, was anderen mißlingt, die es wollen, um es anderen zu verkaufen. Und ich habe das Schreiben gelernt, als Kind, durch ein Buch "Wie schreibt man einen Brief", Anschrift, Adressat, "Sehr geehrte Damen und Herren, ...", was ich durch Neugier gelesen habe, ohne, daß mich jemand gezwungen hätte. Es war einfach da. Und ich war da. Und ich habe das Schreiben gelernt, dadurch, daß ich nichts geschrieben habe - das waren meine besten Geschichten - und dadurch, daß ich nicht gelesen  werden muß - das waren meine besten Leser. Und schon immer nicht gelesen wurde. Hab's trotzdem gemacht. Ich schreibe nur für mich, dadurch habe ich das Schreiben über mich gelernt. Und - man muß Sachen von sich preisgeben - dadurch lernt man das Schreiben über andere. Sonst ist man nicht echt. 23:47 Uhr, Gerhard Richter beim Malen eines abstrakten Bildes mit Rakel, Sprecher: "Manches Zwischenstadium wirkt verführerisch, aber es hält nicht lange." Das ist gut. 23:57 Uhr, in der Gerhard-Richter-Doku wird behauptet: "Kunst ist die höchste Form der Hoffnung." Das sehe ich nicht so. Beifall ist die höchste Form der Verachtung, habe ich mal geschrieben, fällt mir gerade ein. So, 02:02 Uhr, man muß sich auch wieder eine gewisse Naivität erarbeiten, dann lebt man besser und länger, nehme ich mir vor. Thomas Schütte, Stephan Balkenhol, beides Bildhauer, gut. Und Autos und Möbel und The Critical Drinker gehen immer auf Youtube. Die Titanic ist auch ein Gefängnis. Manche konnten ausbrechen. Manche lesen noch die Zeitung an Bord. Manche wollen noch zuende lesen. Lesende sollte man nicht aufhalten. Mehr Platz dann in den Rettungsbooten.

Papierboote.

Nur. Woher all die Papier-Rettungsboote nehmen?


Habe ich letztens gelesen: "Hund gibt Frau ins Tierheim - zu wenig Gassi"

War wohl Female Fatigue.


Stimmt gar nicht. Habe ich mir ausgedacht. Ich lese gar nicht. 

Steht aber jetzt so in der Zeit-um.









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Donnerstag, 6. August 2026

Hanne auf dem Mond.

 


Der Mond.




Hanne hatte ein kleines Häuschen auf dem Mond. Sie fegte den Mondstaub vor der Tür. Klopfte den Fußabtreter aus. Sie kam mit einer kleinen Rakete freitags angeflogen und blieb übers Wochenende. Sie goß gerade die Geranien vor den Fenstern, als... 

...als eine Frachtrakete angeflogen kam. Sie landete direkt neben Hannes Häuschen und entlud ein anderes Häuschen, das stand nun direkt neben Hannes Häuschen, wohl, damit es nicht so einsam war. Häuschen und Häuschen macht schon mal aus keinem Haus ein Haus. Hanne ging vor die Tür, besah den Schlimassel, streckte die Arme aus, hielt sie vor dem anderen Häuschen, als wollte sie so das Häuschen, das nicht anders war, als ihres, mit den Händen greifen und ein Stück zur Seite versetzen. Was aber mißlang, die Hände steckte sie dann in die Hüfte. Sie ging wieder rein. Nach dem Wochenende flog sie mit ihrer kleinen Rakete wieder weg. Am nächsten Freitag, zum Wochenende, kam sie wieder. Sie sah, daß ein Rollrasenteppich vor dem anderen Häuschen ausgelegt war, in den Fenstern hingen Blumenkästen, auch die hatten jetzt Geranien. Hanne verschwand in ihrem Häuschen, lüftete und tat dann das Wochenende über nichts weiter. Am Montag flog sie wieder heim. 

Am nächsten Wochenende kam sie wieder, wieder freitags, sie sah jetzt Kinder, es waren wohl an die drei, vor dem anderen Häuschen spielen, ein Ball rollte, Hanne ging ins Häuschen, sie lüftete. Hanne verbrachte das Wochenende mit nichts, sie saß am Fenster in ihrem Sessel, ab und zu schaute sie heraus, beobachtete die Kinder vor dem anderen Häuschen, setzte sich wieder in ihren Papa-Bear-Sessel und schlug ihr Buch auf, blätterte ein paar Seiten vor, weil das Kapitel langweilig war und setzte beim neuen Kapitel mit dem Lesen wieder an. Am Montag flog sie wieder mit ihrer kleinen Rakete heim. Am nächsten Freitag kam sie wieder. Die Kinder spielten vor dem anderen Häuschen, jetzt waren es vier, eine Freundin war wohl zu Besuch. Hanne ging zu ihrer Tür, sie stoppte, auf dem Fußabtreter lag ein kleines, rosa Paket mit roter Schleife. Hanne nahm es auf, nahm es mit herein, kam kurze Zeit später wieder raus, sie hatte ihre Schürze an und den Besen in der Hand und fegte den Mondstaub vor ihrer Tür. Dann klopfte sie den Fußabtreter aus. Hanne verbrachte das Wochenende mit nichts, sie saß in ihrem Sessel am Fenster, las ihr Buch, blätterte wieder ein Kapitel vor, weil auch dieses langweilig war und setzte im nächsten Kapitel an. Die Kinder lachten, Hanne sah ab und zu aus dem Fenster und beobachtete sie. Irgendwann liefen sie ins Haus, es gab wohl Abendbrot. Auf Hannes Sesseltischchen lag das rosa Paket mit roter Schleife, sie besah es, dann öffnete sie es. Darin war ein Törtchen. Hanne holte eine Kuchengabel aus der Küche, setzte sich wieder in ihren Sessel und aß das Törtchen, langsam, weil es lecker war, und geschenkt, dadurch noch langsamerer, am Ende leckte sie die Kuchengabel ab. Dann nahm sie ihr Buch wieder zur Hand, suchte ihre Lesebrille, fand sie auf der Nase und blätterte einige Seiten vor, weil das Kapitel langweilig war und setzte an späterer Stelle wieder an. Es war ein dickes Buch, es war schwanger, und wie bei jeder Schwangerschaft, bei der man etwas zunahm, nahm das Buch auch ab, mit den noch restlichen Seiten, die sie übersprang, oder las. 

Am Montag flog Hanne nicht mit ihrer kleinen Rakete heim, sie hatte Urlaub und blieb die ganze Woche. Hanne ging früh ins Bett, sie hatte ein Einzelbett, und es sah aus, wie das Zimmer von van Gogh. Sie hatte sogar ein Bild von dem Zimmer von van Gogh mit dem Einzelbett in ihrem Zimmer mit Einzelbett. Hanne schlief lange aus. Ein neuer Tag. Hanne goß die Geranien. Der Mond war rund, so schien es ihm lieber, sie frühstückte in der Stube, dann packte sie ihre Sonnenliege, stöhnte sie durch die Tür und stellte sie vor dem Haus auf. Sie stellte noch einen Hocker daneben, darauf ein Glas frischgepresster Orangensaft mit zwei Eiswürfel, irgendwo hatte sie noch einen  Sonnenschirm, der war gelb und orange, wie der Orangensaft und dann ihre Zunge nach einem kräftigen Schluck, lag endlich und zupfte ihren Tankini zurecht. Das schwangere Buch hatte sie zur Hand, die Füße hoch, noch die letzten Seiten. Drei Seiten vor Schluß schlug sie das Buch wieder zu, so machte sie das immer, sie wollte nicht wissen, wie es ausgeht. Vor einer Geburt wollte man ja auch nicht wissen, wie es ausgeht. Das Buch legte sie auf den Hocker, dann machte sie die Augen zu. Sie wird sich ein neues besorgen. Hanne schlief den Mittag über, wachte dann auf, suchte ihre Lesebrille, fand sie in den Haaren vor. Irgendwann kam ein Mädchen aus dem anderen Haus, es ging auf Hanne zu. Hanne dann bemerkte erst, daß ein Junge, alt genug, zu stehen, neben ihrer Liege stand. Der hatte Augen. Groß, wie sie bei Kindern sind, die nichts oder alles sahen, und gerne standen. Das Mädchen holte den Jungen an der Hand und zog ihn zum Sandkasten vor dem anderen Haus, der neu errichtet war, ein Eimer, eine Schaufel, gelber Sand, mehr brauchte es nicht, jeden Streit zu schlichten, oder zu entfachen. Hanne klappte ihre Liege wieder zu, packte den Sonnenschirm, der paßte so nicht durch die Tür, er blieb davor, sie kam wieder aus dem Haus, holte Hocker, gebärtes Buch und Orangenglas, brachte alles rein, dann zog sie sich ihre Schürze um, noch im Tankini. Hanne ließ das Radio laufen, dann tüdelte sie rum. 

Am Samstag kam eine gelbe Schulbusrakete und holte die Große ab, sie wurde eingeschult. Hanne sah noch Rock und Hose der Eltern und Rock und Hose der Großeltern, bis alle in die Schulbusrakete stiegen. Eins, zwei, drei Kinder, auch die Schultüte hatte die Form einer Rakete, war aber rot und weiß, und die Größe einer Kleinen. Hannes Urlaub war fast gänzlich rum. Hanne nahm sich vor, gelassen zu bleiben. Sie wollte nicht wissen, wie es ausgeht, wie bei einem schwangeren Buch, wie bei einer schwangeren Geburt, wie mit ihren neuen Nachbarn auf dem Mond.


Hanne hatte ein kleines Häuschen auf dem Mond. Hanne bestieg ihre Rakete am Montag und zischte los.







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