"Hallo" ist das Pfandleihhaus des "Aufwiedersehn"...



Garagenfirma

Atemlos (Originalversion)

Mr. Probz singt sein Nothing Really Matters , Richard Gere hat schon längst Valérie Kaprisky verlassen, Jerry Lee Lewis auf den wippen...

Dienstag, 27. Dezember 2016

Prekäre Verhältnisse







Fastback. (Fast) Angekommen.


Wenn man – wie ich – die dickste Karre im Ghetto fährt, kommt man nicht umhin, zu Fuß zu gehen, einen Block weiter um die Ecke zu parken. Also mehr zu gehen, obwohl man ja die Kiste kaufte, um weniger zu laufen. Was schon ein wenig absurd ist. So gehe ich also einen Umweg, wenn ich zum Auto laufe, um die wenigen Meter zum Supermarkt zu fahren. Ginge ich zu Fuß geradeaus einfach weiter zum Supermarkt, ich wäre schneller da und der Weg wäre auch noch kürzer. Aber es geht ja um Status.
Als ich noch keinen hatte – zeigte der sich doch nicht offen –, war der auch nichts wert. Aber jetzt, da ich ihn für 330.000 € in Form des Rollers käuflich erwarb, betrachten mich die gediegenen Menschen auf dem Supermarkt-Parkplatz, von denen ich hörte, daß es sie gab, mit den Augen, von denen ich auch hörte, daß es sie gab: Sie sehen mich an.
Besitze jetzt also ein Ansehen.
Was auch absurd ist. Bin ich doch derselbe Mensch wie vorher: Dasselbe Aussehen, dieselben Klamotten, dieselben Ansichten. Ich bevorzuge sie wie meinen saloppen Kleidungsstil, beides meinem neuen Status wohl jetzt nicht mehr angemessen. Kleider machen keine Leute, Autos schon. BahnCard und Car-Sharing zum Trotz. Wer das nicht glaubt, der lebte schon immer in der richtigen Ecke des Lebens und hat nie wahrgenommen, daß es auch die falsche gibt. Hätte ich das vorher gewußt, daß man nur sein Auto wechseln muß und nicht seine Hüllen, um Ansehen zu ernten, ich hätte sehr viel früher die 330 Mille an Crewe überwiesen.
Muß an diesen neumodischen Augen liegen, von denen man immer hört, die die Sicht auf das Wesentliche trüben, und die schon immer groß in Mode waren: Weil sie nur den Schein beglotzen, den so manch einer wahrt. Wie gut, daß ich mich für das Ansehen von Menschen noch nie interessierte – und mich nur für Autos interessiere. Ich muß wohl eine Menge kompensieren. Autos gegenüber muß man sich wenigstens nicht andauernt rechtfertigen. Das macht sie menschlich.



Im Ghetto schätzt man Zeit. Man hat so viel davon.
Urwerk UR-110 RG. 100.000 Protz-Ocken.

                                                                                                     
Ich beschwere mich nicht. Ich war schon immer ein glücklicher Mensch. Mehr oder weniger. Auch ohne Ansehen. Mehr oder weniger. Glücklich auch ohne Glück. War unten. War mittel. Wieder unten. Nun oben. Ob man nun aus dem Ghetto-Hochhaus oder einem Penthouse herabblickt, macht auch keinen Unterschied, wenn man sich dabei immer seiner eigener Größe bewußt ist und andere nicht dadurch kleiner macht, aus welcher Höhe man nun auf sie herabblickt. Habe mir die Welt angeschaut. War auf dem Eiffelturm, dem Schiefen Turm von Pisa, auf verdammt vielen, beschissenen Türmen, habe in Chateaus übernachtet, in vornehmen Absteigen, habe auf das damals höchste Gebäude herabgeschaut, bin mit dem Heißluftballon gefahren, mit Flugzeugen in verschissene Märchenländer geflogen, habe Korallenriffe gesehen, die vor Pracht nur so barsten und noch Vieles mehr. Habe das Böse auf der Welt gesehen, das Abseitige, das Ungelegene. In dreckigen Löchern gewohnt. Habe gesehen, wie Menschen geschlagen, bespuckt, erniedrigt, bestohlen wurden. Wie man Macht mißbrauchte, ausbeutete, demütigte. Habe auf kalten, weißen Fliesen Menschen mit aufgeschnittenen Pulsadern gesehen, heulende Krankenschwestern, die das Ableben eines Unbekannten im Aufzug betrauerten, und habe mich dazu gestellt. Habe lachende Todgeweihte gesehen – diese Narren, glücklichen Narren! –, Leute, die sich totgesoffen haben, Streit, Zwist und Haderei. Menschen, die wie Abfall und mit offenem Bein auf der Straße lagen, 2-Meter-Männer, die zu weinenden, kauernden Kindern wurden, weil man ihnen das Leben zum Inferno machte. Menschen, die aus Abfalleimern tranken und noch Abscheulicheres. Habe so viel und so viele Menschen gesehen und noch mehr, daß ich sie jetzt nur mehr meide. Ich meide sie und mag sie dennoch. Doch habe mir immer Mitgefühl bewahrt. Ich habe nie behauptet, perfekt zu sein.
Und war nie verbittert.
Und wurde es auch nicht nach all diesen Milieus, die ich betreten durfte, die andere nur vom Hörensagen her kennen oder aus der Zeitung oder aus den Berichten aus dem Fernsehen und gar nicht kennen und niemals kennenlernen würden, weil sie ja schon immer Status hatten. Und sei es nur, indem sie diesen anderen verwehrten, wenn sie die Nase rümpften, weil sie Abstieg rochen – betrifft Saturierte wie Studenten –, während sie in ihrem armen, traurigen, sehnsüchtigen Wohlstandsleben der Verbitterung entgegen harren ohne je dynamisch gewesen zu sein. Wohlstand ist nicht Wohlergehen. Klar. Das betrifft nicht nur vermögende Menschen, auch weniger vermögende. Die aber gar nicht zu wissen scheinen – die einen wie die anderen – wie sehr schlechter die Welt sich zeigen kann und dennoch verbittern, wenn sie das Wertvollste verlieren, das ihnen wahren Status jenseits des vollen Lohnausgleichs oder Aufstockung durchs JobCenter verleihen würde: Ihr Lächeln. Timm Thaler hätte es wenigstens noch für Umme verscherbelt.
Ich warte jetzt in meiner Ghetto-Wohnung darauf, daß endlich mein Penthouse bezugsfertig sein wird. Das kann noch dauern. Bis Mitte 2016, hörte ich. Aber ich bin ja Warten gewohnt. Und lächle. Ich bin ja Lächeln gewohnt. Ich habe die 570.000 € gerne überwiesen. Nur, um meinem Penthouse-Nachbarn, der dieselbe Summe überwiesen hat und für seinen Status viele fesselnde Kredite aufnehmen mußte – sich also im Zustand der Statusschuld befindet, und das für den Rest seines angesehenen Lebens –, die lange Nase zu zeigen, weil ein Statusloser (ist so was wie ein Staatenloser: es gibt sie, aber keiner will sie haben; in Denglisch* ergibt beides sogar noch mehr Sinn) sich die lange Nase eben locker leisten kann.



Verstopfte Nase?
Dann immer schön über arbeitslose Ghettis die feine, verschuldete Neubaugebiet-Nase rümpfen.


Ich schwinge jetzt also pfeifend-lächelnd den Rolls-Royce-Schlüssel – der gemeine Engländer sagt ‚Roller‘; oder Peter Green, der damals mein ‚Partner‘ in den gloriosen Zeiten der Pyrenäen war und eher aus den übleren Ecken Londons stammte, würde selig sagen: „I’m fit as fuck and that cunt‘s my ride.“; und auch immer lächelte –, während ich mich lässig am gutmütigen Vassily aus Kaliningrad, der seine Nationalität gerne in Wodka angibt und auch nicht verbittert ist, man sieht ihn immer lächeln, und an Rolf aus der Vergangenheit, der auch immer grüßt und trinkt und immer die Treppe nimmt und ebenso lächelt, vorbeizwänge, nicht ohne ihnen noch ein schönes Leben zu wünschen. Das Mindeste, was man einem Menschen wünschen kann. Nichts auszusetzen mit dem ihrigen Jetzigen.
Was mich verwundert. Das sind also diese weißen, abgehängten, alten Männer, von denen man immer liest, die die, die über diese schreiben, eigentlich nie im Leben auf dem Laubengang im 5. Stock antreffen und ein Schwätzchen halten, nie im Leben würden sie das, es wäre ihrem Status abträglich. Sind eigentlich ganz nette Männer, tun keiner Fliege was zu Leide, beschäftigen sich nicht mit dem, was ihnen vorgeworfen wird, beschäftigen sich nicht mit denen, die sich so gerne mit ihnen beschäftigen, kümmern sich nicht um die Wehwehchen dieser jungen Frauen, die man auch nur aus der Zeitung her kennt, weil sie in die Zeitung wollen, denen die ganze Welt offensteht, sich aber lieber über eingerissene Fingernägel und verlaufene Schminke, die jede schmucke Gesellschaft so mit sich bringt, beschweren, oder dieser Mittelstands-Mittelmaß-Männer, die immer aufgewühlt damit drohen ihr ‚Zeit‘-Abo zu kündigen, sich aber – die einen wie die anderen –  nie ins Ghetto verlaufen würden, ums Verrecken nicht, und schon sehr verbittert sein müssen. Was nicht weiter schlimm wäre, wenn sie nicht andere dauernd darunter leiden ließen, die vermeintlich unter ihnen stehen. Und warum? Frage einer den Mond, warum er rund ist. Er ist zumindest ausgeglichen. Zumeist dieselben, die sich nie im Leben, aber um Worte prügeln und sich schon am Wörtchen ‚Ghetto‘ ein blaues Veilchen holen (es gibt so viele andere Wörter) und meinen, sie würden Status erlangen, wenn sie sich nur über andere erheben, denen sei gesagt: „Deine politisch-pedantische Wohlstandsmeinung ist mir scheiß egal. Ist hier allen scheiß egal. Vassily ist es scheiß egal, Rolf ist es scheiß egal, Drogen-David ist es scheiß egal. Wer im Ghetto wohnt, wohnt im Ghetto. Und nicht in Utopia. Das gilt für jedes andere Wort.“



Wraith. Schottisch für: Ein Gespenst geht um.
Abstieg? Immer schön fit, gesund, jung und abfällig gegenüber anderen bleiben. Doch, doch. Dann bleibt man oben.


Ich nehme jetzt also diesen absurden Umweg von meinem Wraith zu meiner Wohnung und in Kauf, über mich selbst zu lächeln. Was soll’s. Ich habe ja Humor. Für’s Penthouse nehme ich mir ein neues Lächeln vor. Nichts auszusetzen mit dem Jetzigen. Es ist nur ein bißchen ausgescheuert an den unsichtbaren Stellen von all dem Ansehen und Status und Nicht-Ansehen und Nicht-Status. Wie gut: Die Designer-Möbel sind schon ausgesucht. Vitra, Cassina, Rolf Benz, Knoll. Ein zweiter Geschmack würde da nur die Harmonie stören. Denn neben Autos interessiere ich mich nur… für meine Ruhe. Jeder im Ghetto kann das nachvollziehen. Andere schreien sie ja schon genug an. Vorzugsweise diejenigen, die nicht im Ghetto leben.


Nur im Ghetto ihres verbitterten Seins.








*






*[Wer andere Menschen als ‚Loser‘ bezeichnet, der hat sich selbst verloren. Immer wieder zu beobachten bei Menschen, die von Selbsthaß zerfressen sind und diesen anderen aufoktroyieren wollen. Bemitleidenswert.]













Sonntag, 23. Oktober 2016

Auch wenn es eitel ist...


Schöne Frauen lächeln mich öfter an. Warum? Weil sie sich an mich erinnern… Psst… Der Moment, wenn sie erkennen, daß sie wach sind, läßt den Mund aufspringen:

Weil ich der Mann* aus ihren Träumen bin.

Auch wenn es viele Träume gibt: Bin ich doch real ...und genauso schnell vergessen. An Orten, wo man Träume nicht erwartet, tauche ich auf – als déjà vu. Als Ahnung dessen, was sie schon vergessen haben. Auch wenn es selbstherrlich ist: Erfüllt sich ihr Traum für den Moment

…weil es nur ein Moment ist, in dem Träume keine Zeit haben, zu platzen. Bin ich perfekt? Bin ich schön? Kein Traum ist perfekt, keiner nur schön. Darum träumen wir ja. Um das Perfekte passend zu machen …damit es auch in den Alltag paßt: In ein Schminktäschchen. In einen Einkaufswagen mit Pizza für die Woche und Joghurt für das Gewissen. In ein Auto mit noch zwei Monaten TÜV.

Ich bin ihre Plakette für das Leben.

Ich gebe ihnen zwei weitere Jahre Hoffen mit auf den Weg ins Alter. Auf den Weg. Der mit Kreuzungen lockt. Abzweigungen, Versprechungen, roten wie grünen Ampeln, die man überfährt, an ihnen hält oder wartet. Wartet… wartet… wartet…
…bis ich an der Ecke stehe – unerwartet – und ihnen ein Lächeln auf die Lippen zaubere.

 Weil ich der Grund fürs Träumen bin…



Warum folge ich dann diesen schönen Frauen nicht?

Weil ich gefesselt bin, nicht gebunden, gefesselt bin:



Für jeden Traum, den ich erfülle, platzt ein eigener.










*







*[Keine Prinzessinnen! Supermarktkassiererinnen, Boutixen, Busfahrerinnen, Politessen, Hartz-4-Empfängerinnen, Menschen etc. willkommen. Umtausch ausgeschlossen. Ich schmeiße keine Menschen weg.]