"Hallo" ist das Pfandleihhaus des "Aufwiedersehn"...



Miniaturen des Absurden

Betrete mit der Miene der Abfälligkeit und erhalte Einlaß

Vom Jardin du Luxembourg zum Panthéon brauchte es schon mehr als platonisches Innehalten, um sich Gehör für Gesehenes zu verschaffen. Da...

Freitag, 25. September 2026

Swoosh.

 


Swoosh...






Man nannte sie Swoosher. Auch, wenn es kein Geräusch erzeugte, das Schweben 30 Zentimeter über dem Boden. Sie bewegten sich so fort. Und es kam einem wie ein Swoosh vor, ein Rauschen, begegnete man ihnen auf, über dem Bürgersteig. 

Nicht jeder konnte swooshen. Die Fußgänger liefen normal, die Fahrradfahrer fuhren normal, die Autofahrer fuhren normal. Nur die Swoosher schwebten. Sie legten lange Strecken zurück. Ohne Anstrengung. Sie schwebten einfach, und mußten nichts weiter tun. In die Stadt swooshen? Einfach in die Stadt swooshen. Ein Waldswoosh? Einfach durch den Wald swooshen. Zum Einkaufen swooshen? Einfach zum Einkauf swooshen. Swooshen war in. Swooshen kostete nichts. In einer Utopie swooshten die Leute friedlich vor sich hin, Swooshen war harmlos. In einer Dystopie, in dem diese Geschichte lebt, gab es bald schon Regeln für's Swooshen. Und Strafen für das Nichtbefolgen. Wenn es nicht schon ganz verboten war. 

In dieser Dystopie könnten wir jetzt einem gewöhnlichen Swoosher in den Tag hinein folgen - Mann oder Frau, Nebencharaktere, Extras und Unbedeutene -, er - oder sie - würde etwas Aufregendes entdecken, es käme zu Verwicklungen, etwas Action, dem dramatischen, dritten Akt und einer Auflösung mit Wendung, diese Geschichte findet aber in der Phantasie statt. In dieser Phantasie in dieser Dystopie stellte sich die Frage, deren Beantwortung jedem klar war, wie konnte so etwas Harmloses wie Swooshen so gefährlich werden? Man schwebt. Man bewegt sich fort. Es kostet keine Mühe. Man legt lange Strecken zurück. Man kommt ausgeruht an. Man tut nichts Schlimmes. Man stört niemanden. Man stört niemanden. 

Und das - in dieser Phantasie dieser Dystopie -, man stört niemanden, war schon Grund genug, es zu bekämpfen. 


Denn, es störte doch.






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Dienstag, 1. September 2026

Meine Karriere als Loverboy hatte gerade richtig Fahrt aufgenommen, als...

 


Corinna.





Corinna trug mich auf Schultern. Nein. Das stimmte nicht. Sie trug mich auf einer Schulter, auf der linken. 

Zuerst schauten die Leute noch: Im Supermarkt, an der Kasse, im Bus, im Mittelstand, beim Arzt, im Wartezimmer, auf dem Amt, im Gang. Aber schnell schauten sie auch wieder auf ihre Belange: Auf ihren Einkaufswagen, im Supermarkt, auf ihr Spiegelbild im Fenster, im Bus, auf ihre Gesundheitskarte, beim Arzt, auf ihre Zettel, auf dem Amt. Corinna trug mich überall hin. Ich bin Deniz. Ich bin Loverboy.

Als Loverboy hatte ich viel zu tun:    . 

Corinna trug mich einmal ins Schwimmbad. Das Wasser stand ihr bis zum Hals. Im Becken. Aber ich konnte mich gut auf ihrer linken Schulter sonnen. Die Abkühlung tat ihr gut. Corinna redet nicht viel. Ich rede viel. Corinna kann nicht gut hören. Dann rede ich nicht mehr viel. Corinna hatte viele Namen: Corinna. Beate. Samira. Maike. Kathrin. Gül. Raena. Yara. Saskia. Mara. Teana. Corinna. Corinna. Beate. Samira. Maike. Kathrin. Gül. Raena. Yara. Saskia. Mara. Teana. Corinna. Corinna. Beate. Samira. Maike. Kathrin. Gül. Raena. Yara. Saskia. Mara. Teana. Corinna. Ich bin Deniz. Meine Karriere als Loverboy hatte gerade richtig Fahrt aufgenommen, als. 

Ich rede nicht viel über meine Arbeit. Aber ich erinnere mich noch, wie Corinna zitterte. Ich spürte es auf ihrer linken Schulter. Ich habe einen Chef. Und ich spürte seine Ohrfeige. Ich gebe mir jetzt mehr Mühe. Karin trug mich auf ihren Schultern. Nein. Das stimmte nicht. Sie trug mich auf einer Schulter. Auf der linken. Ich bin Deniz. Ich rede viel. Ich gebe mir mehr Mühe. Dann rede ich nicht mehr viel.







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