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Miniaturen des Absurden

The Bangal Tiger Handkerchief

An diesen Enden zweimal umschlungen, Einmal gewunden, Halt gab's dennoch nicht, Rutschte herunter in feinen Bahnen, ...

Dienstag, 2. Januar 2018

"Äh, was machst Du da?" - "Ich back' mir einen Mann: Backe, backe Kuchen, dann muß ich mir keinen suchen."


Als Eremit - und es ist die erstrebenwerteste Art, sein Interesse an sich selbst zu bekunden und an anderen nicht oder Luftmoleküle zu zählen, was befriedigend erstrebenswerter erscheint: 
Je größer die Anzahl, desto schöner die Luft; und die Schönheit der Luft wird selten gebührend beschrieben, ach, was!, besungen!, als das, was sie dankenswerterweise einfach ist, nämlich Luft frei von Backluft, wenn man nicht selber backt, was auch mal beklagt werden sollte, wenn man als moderner Mensch sich nicht antisozial geben will, wenn man sich nicht mindestens dreimal am Tag lautstark beklagt, als wäre man der wiedergeborene Jesus und vier Monate für Ostern zu früh, nämlich schön, wenn man weiß, wie man sie zu sich nimmt, was schon anders wäre, wären Luftmoleküle Kalorien, dann gelte: Du mußt nur weniger Kalorien zu Dir nehmen als Du zu Dir nimmst, dann nimmst Du ab, und dann bist Du auch schon schön - sollte ich es bei kurzen Gedankenstrichen belassen. So zum Beispiel:

Als Eremit - manchmal - beschaue ich die Welt.

Als Eremit ist man - zuweilen - Wissenschaftler. Ein Eremit hat Wissen von der Welt, die er sich schafft.

Und als solcher - als Eremit - beschaue ich die Welt atmend.

Ein Eremit - nicht minder - ist wie ein Kermit. Nur mit E von der Erde.

Und während ich schon atme, denke ich - wenn ich schon mal dabei bin beim Atmen -, kann ich mir dabei auch mal die Welt anschauen, weil ich ja Augen habe und sie sonst unbenutzt sind, weil sie so nach Backluft duftet, die sich in jedem Besitz eines einzelnen befindet. Mindestens. Sollte jeder eine eigene Welt besitzen. Also wirklich mindestens. Nein. Du da drüben auch:

Du besitzt jetzt auch eine eigene Welt. Zeter nicht.

Und weil Weihnachten zufälligerweise nur unerheblich eben war, hat doch - ich hoffe doch - jeder jetzt eine Welt geschenkt bekommen, der sie vorher noch nicht hatte. Eine Woche später wird sie dann in die Luft gesprengt mit Silvesterraketen. Was auch, wie bei jeder Symbolik, noch nicht einmal
den Boden kratzt.

Und auf jeder Welt - Du bekommst Deine noch mit DHL zugeschickt, ja, Express - lebt jetzt ein einzelner Mensch.

Wenn Du Glück hast, hat man Dich auf Deiner Welt zur Frau gemacht.
Wenn Du glücklich bist, hat man Dich auf Deiner Welt zum Mann gemacht.

Wenn Du Glück hattest, und man hat Dich auf Deiner Welt zur Frau gemacht, dann kannst Du backen.

Du kannst backen - und sei glücklich -, weil andere Frauen auch backen können. Das scheint schon ausreichend Begründung genug zu sein. Denn, wenn eine Frau-Welt backen kann, dann kann
Deine Frau-Welt das schon lange. Und das ist Begründung genug, daß Du auf Deiner Welt schon lange backen kannst.

Auf Deiner Welt, auf der Du backen kannst, kannst Du nicht gleich glücklich sein. 

Denn Du hast ja keinen Humor.


"Ach, was!", sagst Du Dir selbstverständlich. "Dann backe ich mir halt welchen!"

Und dann backst Du Dir auf Deiner Welt Humor.


Und Du lobst Dich dafür, diese bunten Backförmchen aus Silikon nicht weggeschmissen zu haben, die man Dir mit Deiner Welt mitauslieferte und mitschenkte.
Sie waren einfach mit dabei. "Was soll ich denn mit bunten Backförmchen aus Silikon?", sagtest
Du gleich zu Recht, als Du sie auspacktest. Aber jetzt sagst Du das nicht mehr. Denn jetzt backst Du damit eifrig Humor.

Und er duftet. Und er dunstet. Und Du läßt ihn jetzt erst mal auf der Fensterbank auskühlen.

Wenn Du glücklich bist und auf Deiner Welt gleich zum Mann wurdest, hattest Du gleich Humor mitgeschenkt bekommen, aber keine Backförmchen. "Mist.", sagst Du. "Meine wären gleich viel bunter gewesen."
Zu Recht beklagst Du Dich darüber. Aber auf Deiner Mann-Welt wurde Dir ein Fernrohr mitgeschenkt.

"Was soll ich denn mit einem Fernrohr?", fragtest Du Dich gleich zu Recht. "Und wo ist vorne, und wo ist hinten?"

Aber dann blicktest Du aus Langeweile - Du bist ja kein Eremit, ein Eremit hat keine Langeweile - mal hindurch. Und was erblicktest Du da? Ja, genau. Erst mal nichts. Denn Du bist ja ein Mann.

Und ein Mann braucht immer etwas länger, bevor er etwas sieht. Aber was siehst Du dann, nachdem Du gelernt hast, wie man sieht? Ja, genau:

Bunte Backförmchen auf einer Fensterbank. Auf der Nachbarwelt.

Und weil alle Welten vom Nichts umgeben sind, und das Nichts ist bekanntlich schwarz, fiel Dir beim Schwenk mit dem Fernrohr durch das schwarze Nichts dieses Bunte auf:

Die bunten Backförmchen aus Silikon auf der Fensterbank.

"Da backt sich jemand Humor.", sagst Du zu Recht. "Was backst Du Dir als nächstes? Ein Lachen?"

Glücklich lebst Du auf Deiner Welt, weil Du ein Mann bist. Und das scheint schon Begründung genug, um glücklich zu sein. Und wendest Dich ab.

Wenn Du Glück hattest, auf Deiner Welt, eine Frau zu sein, dann gibst Du Dich nicht zufrieden.

"Ich gebe mich nicht zufrieden. Ich bin eine Frau.", sagst Du, weil Du ja jetzt Humor gebacken hast.

"Aber", sagst Du, "jetzt fehlt mir noch ein Lachen." Und Du schaust Dich um.
Aber, weil Du kein Mann bist, sondern eine Frau, hat man Dir kein Fernrohr zu Deiner Welt mitgeschenkt, sondern Adleraugen.

"Hey, ich hab' ja Adleraugen.", freust Du Dich, Glück gehabt zu haben, eine Frau zu sein.
"Auf meiner Welt bin ich eine Frau. Ich habe Glück gehabt.", sagst Du zu Dir. Und Du bemerkst, daß Du viel sagst.

"Eine Frau sagt viel.", sagst Du. "Ich habe Glück gehabt."

Und Du prüfst, ob Du noch andere Backförmchen hast.

"Wäre ich ein Mann,", sagst Du beim Suchen, "dann würde ich nicht reden. Ich würde erklären.
Reden ist nicht erklären. Ich habe einen größeren Wortschatz. Ich erkläre nicht.", sagst Du. "Ich rede. Aber ich erklär' das jetzt nicht. Ich suche." Und Du suchst auf Deiner Welt neue Backförmchen.

Und Du suchst viel.

"Ich suche viel.", sagst Du suchend.
"Ich rede viel.", sagst Du.
"Und wäre ich ein Mann, dann würde ich das einem Mann auch vorwerfen.", sagst Du.
"Denn ein Mann erklärt viel.", wirfst Du vor. "Aber Männer reden ja nicht.", sagst Du. "Ich rede aber
viel.", wirfst Du viel vor. "Ich habe Glück. Ich bin eine Frau. Ich rede viel. Ich suche viel. Ich werfe viel vor.", suchst Du viel nach diesen anderen Backförmchen. "Irgendwie müssen sie doch
irgendwo sein.", sagst Du viel. "Wäre ein Mann hier, würde ich ihm das vorwerfen.", wirfst Du viel vor.
"Aber er würde ja nichts sagen.", sagst Du. "Männer reden nicht.", sagst Du. "Männer erklären nur.",
sagst Du. "Aber die reden nicht. Männer reden nicht viel.", sagst Du, während Du viel suchst.

Und während Du das sagst und viel suchst und viel redest und viel vorwirfst, findest Du doch noch
diese anderen Backförmchen. Denn Du hast ja Adleraugen.

"Was für ein Glück ich habe, eine Frau zu sein.", sagst Du.
"Ein Mann hätte sie nicht gefunden.", wirfst Du vor. "Oder er hätte irgendwas dabei erklärt. Ungefragt.", bestätigst Du Dich.
"Aber Männer reden ja nicht. Was aber entsetzlich langweilig wäre. Und öde. Männern irgendwas vorzuwerfen. Oder nichts vorzuwerfen.", bestätigst Du Dich. "Beides wäre entsetzlich öde.", während
Du dich mit Deinen Adleraugen umschaust, ob ein Mann zugegen ist.

"Natürlich. Typisch Mann. Wieder keiner zugegen.", bestätigst Du Dich.

Denn Du bist ja auf Deiner Welt. Und auf Deiner eigenen Welt bist Du der einzige Mensch.

Und jeder, der seine Welt sein Eigen nennt, ist Gesetz.

"Was für ein Glück, daß ich eine Frau auf meiner Welt bin.", sagst Du. "Wenn nur mal Männer erklären würden, was sie zum Mann macht. Aber typisch. Hier ist ja keiner. Außer mir", bestätigst Du Dich, wirfst Du vor, keinen Mann vorzufinden, und suchst, aber findest keinen, und bestätigst Dich.

"Die sollen sich mal erklären. Aber die reden ja nicht. So sind Männer. Ich weiß ja noch nicht einmal, wie die aussehen. Die lassen sich ja noch nicht einmal blicken.", sagst Du viel. "Wenn ich wüßte, wie die aussehen, dann könnte ich mir einen backen. Ich hab' ja jetzt neue Backförmchen gefunden.", sagst Du.

"Ich muß Glück gehabt haben, eine Frau zu sein."

Und - Du hast ja Adleraugen - schweifst jetzt ab. Du schweifst jetzt ab, weil Du ja das Gesetz auf Deiner Welt bist. "Und auf meiner Welt bin ich Gesetz. Und dann kann ich abschweifen.", sagst Du.

"Aber ich habe nichts zum Anziehen.", schaust Du die neuen Backförmchen an.
"Ach was soll's! Dann backe ich mir welche!"

Und dann backst Du Dir Anziehsachen.

Und sie duften. Und sie dunsten. Und Du läßt sie jetzt erst mal auf der Fensterbank auskühlen.

Wenn Du glücklich bist und auf Deiner Welt gleich zum Mann wurdest, hattest Du gleich Anziehsachen mitgeschenkt bekommen. "Was soll ich mit Anziehsachen?", sagtest Du zu Recht. "Ich bin ganz allein auf meiner Welt. Ich brauche nichts zum Anziehen." Und das schien schon Begründung genug, glücklich zu sein.
Du redest nicht viel und Du erklärst es auch nicht. Und das schien schon Begründung genug zu sein,
keine Anziehsachen zu haben.

Aber Du hast ein Fernglas. Das ist jetzt Dein Hobby.

"Was backt sie denn diesmal?", nuschelst Du vor Dir hin. "Ah, Kleider." Dann legst Du das Fernglas wieder beiseite und widmest Dich Deinen anderen Hobbys. Die waren nicht ersichtlich.

Aber im Nichts ist nichts ersichtlich.

"Aber ich bin glücklich, ein Mann zu sein." Und das schien schon Begründung genug zu sein, glücklich zu sein.

Und weil Du Glück hattest, eine Frau zu sein, hast Du auch Adleraugen. Denen entgeht nichts.
Denen entgeht nicht, daß es - ungefragt - auch noch andere Welten gibt. Mit Frauen.

"Aber die haben nicht so schöne Kleider gebacken, wie ich.", bestätigst Du Dich ungefragt.
Und Du hältst die Kleider vor. "Huhu!", rufst Du und winkst.

Die anderen Frauen-Welten bemerken natürlich Dein 'Huhu' und Dein Winken, denn sie haben ja auch Glück gehabt, Frauen zu sein und Adleraugen.
Tun aber so, als ob sie Dich nicht bemerkt haben.
Und das schien Begründung genug zu sein, Glück gehabt zu haben.

Mit Adleraugen siehst Du aber nun eifriges Backen auf den Nachbarwelten.

Und es duftet. Und es dunstet. Und viele Aufbackförmchen kühlen nun schon auf Fensterbänken aus.

Viele Förmchen ergeben viele Kleider.

"Viele Förmchen ergeben viele Kleider.", sprichst Du auf Deiner Mann-Welt aus. Selten genug sprichst Du auf Deiner Mann-Welt. Und das schien Begründung genug zu sein, daß ein anderer Mann auf einer anderen Mann-Welt sich das notierte. Ein dritter Mann auf einer Mann-Welt schlägt Dich für den Nobelbrei vor. Ein vierter Mann auf einer Mann-Welt überreicht Dir den Nobelbrei. Den ein fünfter Mann auf einer Mann-Welt gestiftet hat. Jetzt ißt Du den Nobelbrei. Und bist satt.

Alle haben ein Hobby: Sie schauen alle durch ihr Fernglas.

"Jetzt habe ich Anziehsachen.", sagst Du auf Deiner Frau-Welt, während Du weitere Backförmchen suchst. "Aber ich habe keine Krone.", sagst Du, weil Du Dir ja Humor gebacken hat. Aber kein Lachen. Deshalb lachst Du auch nicht.

"Aber ich habe bestimmt noch weitere bunte Aufbackförmchen.", sagst Du.
"Dann backe ich mir einfach eine. Ich bin ja Gesetz. Es ist ja schließlich meine Welt."

Und Du fängst gleich mit dem Suchen an.

"Immer muß man was suchen. Wäre ein Mann hier, würde er mir immer etwas erklären.", sagst Du suchend. "Immer würde er dazwischen reden.", sagst Du. "Immer würde er stumm sein. Und nicht sagen, wo das wäre, was ich suche.", sagst Du.

"Beim nächsten Förmchen backe ich mir einen Mann. Aber erst das Krönchen. Nicht, daß er keinen Respekt vor seiner Königin hat. Es ist schließlich meine Welt. Und ich bin Gesetz.", sagst Du.
"Und ein Gesetz braucht eine Königin.", sagst Du. Und das schien schon Begründung genug, daß Deine Welt eine Königin braucht.
"Andere Welten haben ja auch Königinnen."
Und Du sagst viel. Und Du suchst viel. Und du wirfst viel vor.
Und dann bestätigst Du Dich viel, Glück gehabt zu haben, eine Frau zu sein, als:

"Wußte ich es doch! Da waren doch noch Backförmchen versteckt. Hier kommt nichts weg."

Und dann backst Du Dir ein Krönchen.

Und es duftet. Und es dunstet. Und es kühlt im Backförmchen auf der Fensterbank aus.
Doch bleibt nicht unentdeckt. Denn andere Frauen-Welten haben auch Adleraugen.

Und dann duftet das ganze Universum. Und dunstet. Und kühlt ab. Vor lauter Krönchen in Backförmchen.

"Das Universum duftet, dunstet und kühlt ab.", sagst Du. Als Mann. Und bist glücklich, ein Mann zu sein. Und das schien schon Begründung genug, glücklich zu sein.

Ein anderer Mann, der auch glücklich ist, ein Mann zu sein, notiert das. Ein dritter nominiert Dich für den Physik-Nobelbrei. Ein vierter überreicht Dir den Nobelbrei, den ein fünfter, glücklicher Mann gestiftet hat. Du ißt den Nobelbrei. Bu bist satt.

"Und das alles nur, weil ich nicht backen kann.", lachst Du bei der Preisverleihung, und alle anderen glücklichen Männer lachen auch, weil sie ja mit ihrer jeweils eigenen Welt Humor mitgeschenkt bekommen haben. Nur Du lachst nicht.

Du auf Deiner Frauenwelt, während Du Deine Krone anprobierst.

"Ja.", sagst Du. "Humor hast Du. Aber lachen tust Du nicht. Du hast ja vergessen, gleich das Lachen
mitzubacken.", versuchst Du zu lachen. Aber kannst es nicht. Während Du das Lachen von anderen Welten hörst, und dann mit Deinen Adleraugen einen Mann erblickst.

"Eine Frau,", sagst Du, "die das Glück hatte, eine Frau zu sein, lacht nicht. Sonst hätte sie ja keinen Humor.", lachst Du nicht.

"Was soll's!", schimpfst Du. "Dann backe ich mir eben einen Mann. Jetzt da ich einen gesehen habe,
weiß ich, wie das geht.", sagst Du. "Das kann ja nicht so schwer sein. Ich backe ihn mir aber ohne Lachen. Ich backe ihn mir gleich. Ich habe ja Humor."

Und dann backst Du, backst Du, backst Du Dir einen Mann.

Und der Mann auf seiner Mann-Welt sagt zu sich, nur so, weil er ein glücklicher Mann ist,
was schon Begründung genug ist, ein Hobby zu haben, während er durch sein Fernglas blickt, es könnte ja noch ein weiterer Nobelbrei herausspringen, und er wäre dann wieder satt:

"Warum backt sie sich nicht gleich Backförmchen? Dann kann sie sich alles backen. Muß aber nicht immer nach Backförmchen suchen."

"Das habe ich gehört!", sagst Du dann, weil Du Glück gehabt hast, eine Frau auf Deiner Welt zu sein, und als Frau auf Deiner Welt hast Du neben Adleraugen auch gleich Eulenohren mitbekommen. Denen entgeht nichts.

"Erklär' mir nicht meine Welt!", sagst Du zu Recht. Und Du bist Recht auf Deiner Welt, denn Du trägst ja eine Krone. Und das schien Begründung genug zu sein, Gesetz und Königin zu sein.

Und dann backt sie, backt sie sich einen Mann, der nicht lachen, der nicht reden, suchen, schweifen kann. Dann backt sie sich ein Kind. Das sie sich nach ihren Zutaten backen kann. Das nicht rülpst, nicht furzt, nicht widerspricht. Und verheiratet sich gleich mit dem Kind im Sich. Und krönt es gleich mit.


"Frauen, die sich einen Mann backen, verheiraten sich mit dem Kind, was sie gebären.
Was sie sich dann gleich einverleiben.

Das nennt sich der Backe-Backe-Kuchen-Komplex.

Dann mit Zuckerstreuseln berieseln."

So steht es dann geschrieben.

Im Tagebuch des Eremiten. Und als Eremit ist man schon Wissenschaftler, wenn man sich Wissen schafft.

"Das letzte Mal, als versucht wurde, sich einen Menschen zu erschaffen,", schreibt ein Eremit in sein
Tagebuch, der sich wundert, warum es jetzt überall nach Backen riecht, "erschuf ein Mann eine Frau und nannte sie:

Pandora.

Die war zwar nicht aus Sand, doch aus Lehm gebaut. Was schon beim Essen zwischen den Zähnen angenehmer sein müßte. Sand knirscht so zwischen den Zähnen. Lehm geht gleich ab."

Seitdem scheinen Menschen sich derart daran gewöhnt zu haben, Nützliches oder Unnützes zu erschaffen, schreibt der Eremit in sein Erinnerungstagebuch als Nachlaßbuch, daß sie ohne nicht mehr können. Was unnütz oder nützlich erschien - Frau oder Mann - ließ der Eremit offen.

"Oder an ihr Knirschen. Es müssen vor Glück lauter glückliche Menschen sein."

Ein Eremit sagt das, die Luftmoleküle ihrer Dichte hin abzählend.

"Hauptsache, man erschafft sich was.", notiert er atmend. Und das schien schon Begründung genug zu sein, zu atmen.

"Selbstgespräche versteht ein Eremit schon als Unterhaltung.
Dann ist ein Eremit schon einverstanden mit seiner Welt. Und mehr noch mit den Welten anderer."

Er unterstreicht den Absatz.

"Oder Dinge.", sagt er sich. "Bei Dingen kann man die Zutaten selbst bestimmen.

Und Backluft liegt in der Luft.


"Beim Furzen auch.", denkt der Eremit sich mit.

"Aber Männer und Frauen furzen ja nicht."



Den letzten Satz kürzt er ab___






*





(Ode/r an Tagebucheintrag: "Leben entdeckt. Es besteht Aussicht auf Erfolg." Danach: "Humor entdeckt." Danach: Keine weiteren Tagebucheinträge. Galaxie aufgegeben.)







Donnerstag, 28. Dezember 2017

Von der Unerläßlichkeit, verrückt zu sein


Was unterscheidet einen Psychiater von seinem Patienten?

Das Ausfüllen des Rezepts.


Neulich, es müssen Sterne zu Boden gefallen sein und neue geboren, saß ich mit drei Spatzen und einer flotten Dame an der örtlichen Bushaltestelle. Einen von Vieren fütterte ich mit Anwesenheit.

Wer einen Verrücken ernst nimmt, muß ein wahrhaft glücklicher Mensch sein.

"Sind Sie verrückt?", besah mich die ältliche Dame, mit der ich mich schwatzend bekannt gemacht hatte.
"Meistens nicht."
"Dann sind Sie ein Philosoph.", lächelte sie glücklich.

Und sie griff schmusend in meinen Arm.
Ältlich armschmusende Damen sind die wahren Damen unter den schmusenden Frauen.
Und wäre ihr Arm dicker gewesen, hätte ich mich auch füttern können.

Die Dinge, die einem selbst nicht am richtigen Platz erscheinen, erscheinen einem anderen wie gut platzierte Dinge zum Befassen.

Ich traf einmal zwei Philosophen, erinnerte ich mich schmusend. Und sie erschienen einem, wie gut platzierte Dinge zum Befassen. Natürlich müßte es Berlin gewesen sein, mit seinen runden, armschmusenden S-Bahnbögen, bei denen es unerläßlich schien, Worte der Liebe gegenüber seiner Dame des Schmerzens oder seinen Pflichten zu beurkunden - auf einem Knie, das andere stützte, und zwischen den Zähnen eine Margerite, oder dagegen zu pinkeln, was sinvoller erschien -, und dann aufzustehen, den Schmutz trotzig von der Hose zu wischen und dann wirklich nach oben zu blicken, um danach im Kopf der Dame, und nicht vor ihren Füßen, zu landen, deretwegen man sich kurz vorher noch kleiner machte:

Im Fernsehturm.

Dort lief ich unweigerlich dem ersten Philosophen in die Arme. Und hätte ich noch die Margerite dabei gehabt und sie nicht achtlos dem hippen Berliner Verkehr als spießiges Verlobungsgeschenk angeboten, dann bieder verschmäht werdend, so hätte ich sie ihm schmusend überreicht.

"Das bin ich auch. Ich bin Philosoph.", sagte er, weil er es sagte.

Und ich vorher an der Bar noch unweigerlicherweise englischen Fußball-Fans mit unweigerlich Berliner Kaffee - deutschen hatten sie nicht - ihrem unweigerlich deutschem Maß Bier zuprostete, während sie auf die Gelegenheit verweilten, noch vor dem Anpfiff, das gegnerische Kriegsgefangenenlager aufzusuchen und von diesem Berliner Wachturm zu beschauen, um die günstigsten Schußpositionen auszuspähen, für das Kleinfeld, grünlich, am Horizont unter unseren Blicken. Und meine mischten sich dazu.

"Wer oben ankommt, hat zwei Möglichkeiten. Philosophen nehmen den Aufzug.", sagte ich ihm. Und verschwieg, daß als Tourist und ohne Feuerausbruch auch nur diese eine Möglichkeit bestand, weil er, als Italiener, auf Englisch darauf bestand, verbürgt einer zu sein. Verbürgt, ein Italiener zu sein, oder Philosoph.

Und mag meinen Glanz in meinen Augen als Licht begriffen haben, ihm im dunkleren Foyer als Feuer im Kopf der Dame den Weg zum Aufzug zu weisen.

"Im Falle des Brandes den Aufzug nicht benutzen" stand da geschrieben, war ich doch selig, so viel Selbstbewußtes im Fremdbewußten eines Fernsehturmkopfes zu erhaschen, im Widerschein.

"Sie könnten ein Philosoph sein.", antwortete ich auf etwas, was sich nicht erinnerte, was er sagte, während er den Aufzug betrat, und war dieser ein Philosoph, weil es sich vergaß, was er sagte, in diesem einen 'Könnte'.

"Könnte er nicht Italiener gewesen sein?", beklagte ich mich. Dann wären alle Worte gelegt. Und man hätte auch Treppen. Und man hätte auch Geländer, auf denen man nach oben rutschen könnte. Was sehr italienisch wäre. Während andere nur nach unten rutschen. Und dann wäre man schon Philosoph. Von Geburt an.

"Alle anderen auch. Nur haben sie keine Möglichkeiten, anders wieder herunterzukommen.", nuschelte ich.

Und sprechen Philosophen alle Sprachen, Nuscheln sprechen sie nicht. Fand der Philosoph aber hinwieder die Möglichkeit hinunterzukommen, als sich die Aufzugtüren schlossen.

Den zweiten Philosophen traf ich, da wollte er nicht mehr sein. "Ich will nicht mehr leben.", wollte er nicht mehr sein. Und wenn ein Philosoph nicht mehr sein will, sei es ihm mißgönnt.

"Das Leben ist doch schön!", widersprach ich dem Sein des Philosophen, einer zu werden.

Er schaute mich an, als wäre ich verrückt. "Und mich nennt man verrückt.", nuschelte ich auch diesmal, denn immer wenn ein Philosoph zugegen ist, sollte man nuscheln, sonst zitieren sie einen noch: "Der und der hat gesagt..."

Und dann ergeben Sätze eines Philosophen auch Sinn.

"Im Brandfall des Kopfes sollte man den Mund geschlossen halten. Sonst entfachen die Winde noch die kleinste Glut," dachte ich. "Ja. Auch die Finger in die Ohren stecken. Da kommt das Feuer wie mit einem Bunsenbrenner herein."

Die ältliche Dame tätschelte mich noch ein Weilchen. Bis unser Bus kam.


Dann stiegen wir in den Dickdarm der Sprache, wo sich Worte bewegend verdauten, während er blinkend in Seitenstraßen einfuhr.





*






(Ode/r an "Der Kopf ist dicker als Blut.")