"Hallo" ist das Pfandleihhaus des "Aufwiedersehn"...



Miniaturen des Absurden

Betrete mit der Miene der Abfälligkeit und erhalte Einlaß

Vom Jardin du Luxembourg zum Panthéon brauchte es schon mehr als platonisches Innehalten, um sich Gehör für Gesehenes zu verschaffen. Da...

Sonntag, 27. September 2026

Bauern in Zeiten der gemeinsten Herrscher.

 


Der gemeinste Herrscher.




Drei Herrscher herrschten schlimm. Klamm, Krumm und Klimm. Sie wollten ein jeder der Gemeinste sein. Alle waren schlimm. 
Ein Bein, ein Ohr, ein Auge drin. Wollten sie die Benimmsten sein. Kein Aber, Oder, Und, sie stahlen jeden Hund. Jedes Lamm. Und jedes Rind. 

Sie taten Weh, taten Schind. Sie taten Leid. Klamm, Krumm, Klimm, und nahmen jedes Kleid. Vor Bauerntränen waren sie gefeit. Kein Heul, kein Huhl, doch die Bauern waren nicht schlecht gescheit. Sie nahmen sich der Herrscher vor, nahmen dem Einen sein zweites Bein, dem Zweiten sein zweites Ohr, dem Dritten sein letztes Auge. Legten alles in Lauge ein, kochten daraus eine Suppe und flößten sie den Herrschern ein, mit List und Tücke. Denn sie ließen den gemeinsten Herrschern ihre Mäuler, ihre schlimmsten Äcker, und gaben ihnen ihre Stücke, so waren sie nun selber froh, und satt, und die Bauern schadenfroh. 

Im Glauben, weiter zu herrschen, Klamm ohne Bein, Krumm ohne Ohr, Klimm ohne Auge, konnten sich die Bauern vor Lachen kaum beherrschen.
 
"Was Du mir nimmst, nehm' ich Dir weg! Das nur Zweck, der Rest ins Eck.", den Rest der Suppe, konnten Bauern die gemeinsten Herrscher sein.

Wann immer sie vor Hunger platzten, die alten Herrscher, Hunger hadert nicht. Der Lohn, des Bauerns Hohn. Des Hungers Leiber, hohl.
So klamm, so krumm, so klimm. 
Nun weiß man's wohl.

Wann immer Herrscher herrschen.

Unter den gemeinsten Herrschern sind die Bauern die gemeinsten Herrscher.

Mäuler sind die schlimmsten Äcker.

Und Äcker sind die ärgsten Mecker.

Hunger ist der herrste Herrscher.

Sich selbst zu essen.

Um über andere zu herrschen.

Um über sich selbst zu herrschen.


So bleibt Moral nur Gedeck. Und die Suppe? Bleibt im Eck.








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Freitag, 25. September 2026

Swoosh.

 


Swoosh...






Man nannte sie Swoosher. Auch, wenn es kein Geräusch erzeugte, das Schweben 30 Zentimeter über dem Boden. Sie bewegten sich so fort. Und es kam einem wie ein Swoosh vor, ein Rauschen, begegnete man ihnen auf, über dem Bürgersteig. 

Nicht jeder konnte swooshen. Die Fußgänger liefen normal, die Fahrradfahrer fuhren normal, die Autofahrer fuhren normal. Nur die Swoosher schwebten. Sie legten lange Strecken zurück. Ohne Anstrengung. Sie schwebten einfach, und mußten nichts weiter tun. In die Stadt swooshen? Einfach in die Stadt swooshen. Ein Waldswoosh? Einfach durch den Wald swooshen. Zum Einkaufen swooshen? Einfach zum Einkauf swooshen. Swooshen war in. Swooshen kostete nichts. In einer Utopie swooshten die Leute friedlich vor sich hin, Swooshen war harmlos. In einer Dystopie, in dem diese Geschichte lebt, gab es bald schon Regeln für's Swooshen. Und Strafen für das Nichtbefolgen. Wenn es nicht schon ganz verboten war. 

In dieser Dystopie könnten wir jetzt einem gewöhnlichen Swoosher in den Tag hinein folgen - Mann oder Frau, Nebencharaktere, Extras und Unbedeutene -, er - oder sie - würde etwas Aufregendes entdecken, es käme zu Verwicklungen, etwas Action, dem dramatischen, dritten Akt und einer Auflösung mit Wendung, diese Geschichte findet aber in der Phantasie statt. In dieser Phantasie in dieser Dystopie stellte sich die Frage, deren Beantwortung jedem klar war, wie konnte so etwas Harmloses wie Swooshen so gefährlich werden? Man schwebt. Man bewegt sich fort. Es kostet keine Mühe. Man legt lange Strecken zurück. Man kommt ausgeruht an. Man tut nichts Schlimmes. Man stört niemanden. Man stört niemanden. 

Und das - in dieser Phantasie dieser Dystopie -, man stört niemanden, war schon Grund genug, es zu bekämpfen. 


Denn, es störte doch.






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