"Hallo" ist das Pfandleihhaus des "Aufwiedersehn"...



Miniaturen des Absurden

Betrete mit der Miene der Abfälligkeit und erhalte Einlaß

Vom Jardin du Luxembourg zum Panthéon brauchte es schon mehr als platonisches Innehalten, um sich Gehör für Gesehenes zu verschaffen. Da...

Samstag, 29. August 2026

Verrückt, aber schön: Ashenputtel.

 


"Kiss my Ash.", auch von ihr.




Ash Callaghan - oder Ashleigh Callaghan, um Dich geleich abzutörnen - ist klinisch verrückt. Soweit, so gut. Clinically Insane, sagt sie selber. Ash Callaghan - die Erfinderin der "Ashthetics" - meint, "You can't eat an ice cream, when you're burning in hell.", das ist gut! Ist man dort doch mit anderem beschäftigt. Besonders, wenn man auf der  anderen Seite der Höllenbewohner steht, und für Eis jetzt keine Zeit hat. Ash - Ashenputtel, wie ich sie nenne - ist eine Youtuberin,  Instagramerin, TikTokerin, Engländerin, ein hübsches, junges Mädchen, magersüchtig, schön wie ein Model, das sich häßlich macht, überklug. Zu klug, zu hübsch, zu mit sich selbst beschäftigt, zu zu, 18 Stunden am Tag online. Das Mädchen hat schwere Probleme. Soweit, so gut.
 
Youtube und Instagram und Tiktok ist gemacht für Menschen, die schwere Probleme haben, das macht sie anziehend, das macht sie beschäftigend, das heilt sie aber nicht, sie haben immer noch schwere Probleme. Was mich nicht die Bohne interessiert. Ash hat was, was man in Deutschelande nicht sieht -auch wenn sie es immer behaupten, oder, wir sind in Deutscheland: Behaupten lassen - Ash hat was, was Du nicht hast, ich auch nicht: Sie ist lustig! Hauptsächlich redet sie wie ein Wasserfall über Dinge, die mich nicht interessieren: Über Fashion. Ihre Karriere als Ärztin auf der Medical School mußte sie aufgeben, weil sie zwangseingewiesen wurde. Nach ihrer Lobotomy, wie sie sagt, geht es jetzt wieder weiter im Schedule auf Youtube. Es war nur Vacation nach einem schwerem Job, einem proper Job, den sie nicht hat. In einem Kommentar unter einem ihrer Videos steht sinngemäß das, was jeder Mann sofort denkt: Ash ist das Mädchen aus den Hollywoodfilmen, die, wenn sie ihre beknackte Brille abnimmt und ihren Ponytail öffnet, zum Supermodel wird. Macht sie aber nicht, sie will häßlich sein. Sie will das häßliche Entlein sein. Natürlich weiß sie, daß sie bildhübsch ist. Und sie ist lustig. Ihre 98,5 % weiblichen Youtube-Zuschauer wissen das. Der Critical Drinker hat 95 % männliche Zuschauer. Wenn Du also keinen deutschen Schrott mehr sehen willst, mit immer denselben Slopmenschen, Schrottmenschen, Wichtigtuern, schau' Dir Ash an, die ist wirklich klug. Und schau' Dir den Critical Drinker an. Der ist Schotte. Vielleicht kommen Ash und der Critical Drinker, Will Jordan, ja zusammen. Das würde knallen! Sie würden sich hassen! Hahaha. Geil! Ich würd's mir anschauen. Das wäre wirklich wie bei Ashenputtel. Happy End nicht ausgeschlossen. Die Briten sind der Grund, warum man kluge Menschen wie Dich und mich erfunden hat, um darüber zu schreiben, und Dich, um darüber zu lesen. Hehehehe.



Selbst das nicht mehr!








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Dienstag, 11. August 2026

Sterbende Pferde sollte man nicht besteigen.

 


Yoshitomo Nara - "Knife Behind Back". Messer hinterm Rücken. 26 Millionen Dollar.
Hinter Gittern.






So, 16:54 Uhr, hab' die Kleine endlich hinter Gitter gebracht. Da gehört sie hin. Kein Mitleid, die Kleine ist eine Krimminelle. Hab' "Krimminelle" falsch geschrieben. Mit zwei M. Ich find's so schöner! Hahaha! Die Wärter trauen sich noch nicht, ihr das Messerchen abzunehmen, aber warte ab, kommt noch! Dann wird ihr noch das Nicht-Lächeln vergehen! Und während ich noch überlege, wie lange sie wohl sitzen müßte, packe ich die Spray-Dose mit grauer Farbe wieder ein, verstaue sie im Rucksack, gehe unaufgeregt am Wächter im nächsten Raum vorbei, der nichts bemerkt hatte, und verließ das Museum wieder so, wie ich es betreten hatte, durch den Vordereingang.

"26 Millionen Dollar", pfiff ich Luft durch die Zähne. "Für'n Arsch!"
"Sollen sie mir mal 26 Millionen zahlen. Dann kritzel' ich ihnen was auf den Arsch."

Yoshitomo Nara prangte da. Life - But Childish. Auf dem Museumsbanner.

Die Bushaltestelle war nicht weit, ich kam noch wütend an, was mich freute, da kamen zwei Pferde mit Reiterinnen die Straße lang. "Sucht euch eine Weide!", schrie ich sie an. 
Schrie ich sie in Gedanken an. Braucht' keiner wissen, was ich so denke. Was ich so in mein Gehirn schreie. Während ich auf den Bus warte und Passanten checke. Schon sicher nicht auf der Straße. Wenn ich draußen bin. Wenn ich schon mal draußen bin. Sollten sich andere darüber freuen! Da brach das Pferd zusammen. Das Vordere. Die Reiterin fing den Sturz ab und landete auf verdrehten Beinen in Reiterhosen. Deshalb diese Hosen. Sie rissen auch nicht, auch nicht bei einem Sturz. Wer wollte sich schon eine Blöße geben. Beim Sterben. Beim Nichtsterben. Bei schlanken Beinen.

Ich kramte in meinem Rucksack, wühlte mein Notizbuch raus, was ich für solche Fälle dabeihatte, Spray-Dose brauche ich grad' nicht, die anderen Dinge erwähne ich nicht, und notierte mit Stift, den ich erst zum Propeller zwischen meinen Fingern machte:

Pferd gestorben. Auf der Straße. Doof, daß das Pferd dem Schlachter nicht mehr entgegenlaufen kann. Hoffentlich muß der Bus nicht warten. Punkt. Punkt unterstrichen. Ist wohl Tierwoche.

Darüber stand noch, bei einem vorherigen Eintrag:

"Die Kritiker der Elche sind selber welche." Von wem das ist, weiß ich nicht. Aber ich schreibe:

Die Elche, welche Kritiker sind, sind niemals welche. Schon gar nicht Elche.

Daher Tierwoche. Dann klappte ich das Notizbüchlein wieder zu, propellerte den Stift zwischen den Fingern, ließ ihn verschwinden, so, wie ich ihn herzauberte, aus dem Nichts, Büchlein in den Rucksack, zu, und wieder Rucksack auf den Schultern.

Der Bus kam. "Verknödelt Euch endlich!", schrie ich die aufgelösten Reiterinnen an. Die Zweite versuchte, ihr Pferd im Zaum zu halten,  es stieg auf. Und ab. Und auf. Es hatte wohl einen Freund verloren. Oder ahnte ähnliches Schicksal. Was noch schlimmer war. Zu wissen, daß es treffen könnte. Lieber dann den Freund. Vermissen. Kann man immer noch. 
"Verrührt Euren Quark woanders! Der Bus kommt!",  schrie ich. Wieder nur ins Gehirn. Kein Laut von mir, kein Mieps. Nur sorgenvolles Gesicht als Miene, falls eine der Reiterinnen kurz in meines blicken sollte. Ich war Mitgefühl. Mein zweiter Name.

Der Bus schaffte es doch irgendwie, mich aufzulesen. Was man alles erlebt in dieser Stadt.

"Yoshitomo Nara. 26 Millionen Dollar. Für den Arsch."


Mein Ticket war noch für den ganzen Tag gültig. Freude ist nur die Abwesenheit von Glück.

Zum Glück hab' ich den Bus nicht verpaßt. Zum Glück für den Bus. Und zur Freude für mich.


Dafür die Drücker. 



Den nächsten Halt wähle ich. 










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