"Hallo" ist das Pfandleihhaus des "Aufwiedersehn"...



Miniaturen des Absurden

Betrete mit der Miene der Abfälligkeit und erhalte Einlaß

Vom Jardin du Luxembourg zum Panthéon brauchte es schon mehr als platonisches Innehalten, um sich Gehör für Gesehenes zu verschaffen. Da...

Sonntag, 17. August 2014

Promi Big Brother


Promi Big Brother gibt es zwar erst seit kurzem, es lassen sich aber schon einige erwähnenswerte Muster erkennen:


Es gibt da die Kandidatin, der es wichtig ist, daß alle ihre nichtssagenden Äußerungen für die Nachwelt aufgezeichnet werden. Sie zählt ihre Sendungsminuten im Inneren heimlich zusammen, sagt, daß es ihr nicht wichtig ist, auf Sendung zu sein, verachtet allerdings andere Kandidaten – und äußert dies auch –, die es nicht sind oder nur unzureichend. Dieses Kandidatenverhalten ist einhergehend mit sozialer und innerer Vereinsamung, Überlegenheitsgefühlen als Auflehnung dagegen  und unbefriedigendem Sexualleben. Diese leiden häufig unter dem Jeanne d’Arc-Syndrom: „Ich mache Männer zu Königen, berührst Du mich aber, dann verbrenne ich innerlich. Brenne! Brenne! Brenne!“ Dieser Kandidatentyp kann sich nur mittels Äußerungen mitteilen, ihr eigenes Verhalten – ihr Tun – weicht davon in erheblichen Maße ab. Langeweile ist ihre Motivation, Liebe um der Gegenliebe willen. Sie läßt sich gerne in PS aufwiegen. In Form von gekauften Autos, Uhren oder anderen leblosen Dingen. Prognose: Sie wird viel Zeit im Keller verbringen. Es aber als die tiefste Erfahrung ihres Lebens darstellen.

Die männliche Variante dieses Kandidatenmusters schielt nicht auf die Aufmerksamkeit – die wird als gegeben vorausgesetzt –, sondern auf einen möglichen Lohn. In diesem Fall sind es die € 100.000 – neben möglichen Sexualpartnern zu finden. Innerlich ist diese Aufmerksamkeitsentlohnung schon ausgegeben, Frauen haben für ihn weiter keine Bedeutung, gewinnen tun sie die Show meistens nicht. Interessant wird es dabei zu beobachten sein, wie sie mit dem Druck umgeben, immer und immer wieder als unterhaltsam zu erscheinen.

Es gibt da die selbstbezogene, oberflächliche Kandidatin, deren Wankelmut sich in Launen äußert wie: „Wenn ich happy bin, dann müssen alle anderen happy sein. Wenn ich traurig bin, dann müssen alle anderen traurig sein. Wenn ich lache, müssen alle anderen lachen. Wenn ich wütend bin, müssen alle anderen mir Verständnis entgegen bringen.“ Das ist natürlich ein Borderline-Verhalten in der für ein Sozialwesen anstrengenden Variante mit ADHS. Interessant wird zu beobachten sein, wie sich das Sozialgefüge namens ‚Wir-sind-ihr-nun-mal-mit-Gedeih-und-Verderb-ausgeliefert‘ mit ihr arrangiert. Ignorieren und Buddha-Beherrschung böten sich hier an.

Es gibt da die selbstverleugnenden Kandidaten – männlich/weiblich –, die so selbstaufgebend sind, daß sie eigene Eigenschaften zuhause gelassen haben und sich nur dadurch auszeichnen, daß sie das wiederholen, was andere sagen. Ansonsten regen sie sich nicht viel, wollen sich offensichtlich aber irgendwie mitteilen. Ihre Motivation, Kandidat zu sein, provoziert eine weitergehende Untersuchung.

Es gibt da den Kandidaten, der nur ein einziges Ziel verfolgt: irgendetwas zu vermarkten. Er hält sich den anderen für überlegen, ist es intellektuell auch, weiß aber auch, daß er die Show nicht gewinnen kann, zieht aus der Zeit und dieser Erkenntnis den Nutzen und das Vergnügen, zu wissen – zumindest zu glauben –, daß sein Plan dennoch aufgeht, und selbst wenn der Plan nicht aufgeht, wird er behaupten, daß dies genau seine Strategie war. Diesem Kandidatentypus könnte man eine Karriere als Politiker zutrauen. Er würde allerdings über seine Affären stolpern. Und sympathisch – und gut für das – ist er dem Sozialgefüge auch nicht.

Es gibt da die Kandidatin, die sich auf ihre sexuellen Anreize reduziert. Reduziert, nicht reduzieren läßt. Das ist diesem Kandidatentypus sehr wichtig. Sind aber erst mal alle primären und sekundären Geschlechtsteile gezeigt, bleibt nicht viel mehr zu betrachten. Diese Kandidatin kokettiert mit der Allverfügbarkeit ihres Körpers, führt aber ein Sexleben wie ein Eremit. Wenn sie es schafft, sich durch kecke Äußerungen Sendungszeit jenseits ihrer Nacktheit zu sichern, winkt ein Platz im guten Mittelfeld. Ihre Motivation ist, Anschlußbuchungen nach der Show zu ergattern, und sei es in der Dorfdisko nebenan, und ist zufrieden, solange einschlägige Zeitungen darüber berichten. Was wiederum dazu führt, daß sie für die Dorfdisko nebenan gebucht wird. Diesen Kandidatentypus unterschätzt man allgemein in seiner Intellektualität.

Es gibt die emotionale Kandidatin, die alles in Sonnenblumen und Lilien einordnet. Ihre innere Stimmungslosigkeit ist getrieben durch ihre Appetitlosigkeit auf das Leben, hungernd füllt sie den Kühlschrank ihrer Sehnsüchte, verbittet sich aber, den Inhalt zu verköstigen und so sie das tut, frißt sie alles in sich rein, bis sie alles wieder auskotzen muß, da der Gefühlsmagen soviel Nahrung auf einmal aufzunehmen nicht gewohnt ist. Diese Kandidatin kann in ihrer Unberechenbarkeit – die Unberechenbarkeit bezieht sich auf den Zeitpunkt ihres Gefühlsausbruch, nicht darauf, daß er kommen wird – sehr unterhaltsam sein. Nicht vor dem Ausbruch, nicht danach – beim Ausbruch. Danach ist sie wieder wie davor und wieder wie danach. Emotional, still leidend, langweilig, bis zum nächsten Ausbruch, der wieder sehr unterhaltsam ist. Man wünschte sich Emotions-Bewegungskameras, die genau diesen Moment einfangen – und alle anderen Momente ausblenden.

Es gibt da die Kandidaten, die wollen einfach nur ins Haus rein, rein, rein. Die sollte man gleich wieder raus, raus, raus lassen. Ihre Anwesenheit, die sich durch Ereignislosigkeit auszeichnet, ist nur geduldet, da sie den Cast auffüllen und den anderen folgen. Das Folgen ist erwünscht. Mehr auch nicht. Ihr Erscheinen bemerkt man nicht, ihr Gehen auch nicht. Sie sollen den Protagonisten-Kandidaten als Projektionsfläche dienen, damit es nicht seltsam erscheint, alleine in die Kamera hinein Selbstgespräche zu führen. Ansonsten gilt: Aus den Augen, aus dem Sinn. Die Protagonisten-Kandidaten, also der Kandidatentypus, der meint, er würde die Show tragen, schielt schon nach dem nächsten Folger, bemerkt aber nicht, daß die Regie und damit der Zuschauer schon längst einem anderen Kandidaten in seinem Betrachtungssein folgt und die erreichten Zuschauerzahlen nur pro forma weiterbestehen als Karteileichenzuschauer, da diese schon längst auf dem Klo verschwunden sind oder in der Küche, um sich Snacks zu holen, und dann erst auf dem Sofa Platz nehmen, wenn die wirklich wichtigen Kandidaten wieder auf dem Bildschirm erscheinen. Dieser Protagonisten-Kandidatentypus wird sich die hohen Einschaltquoten auf seine Kappe schreiben und überrascht sein, daß ein anderer die Show gewinnt, die Aufmerksamkeit erhält und Äußerungen – und seien sie noch so banal – dieses Kandidaten/Kandidatin an Gewicht in den einschlägigen Medien gewinnen.

Was mich noch zu dem letzten Kandidatentypus führt:

Und es gibt da noch den traurigen Narr. Dieser Kandidat, der sich durch ungehemmtes Verhalten auszeichnet, das sich dadurch äußert, daß er erkannt hat, daß es eh keinen Sinn mehr macht, etwas vorzugeben zu sein, was man nicht ist oder andere glauben machen will, wer man sein soll, wird die Show gewinnen. Seine einzige Aufgabe wird es sein, die € 100.000 zu erhalten, aber letztendlich nicht mit einer schweren Hypothek das Haus zu verlassen, die er nicht mehr abbezahlen kann, und die man ihm noch in Jahren hinterherträgt.

In diesem Fall tippe ich mal auf Hubert Kah.






*




Edgar had a dream


In Washington, aside a crowd


Stood a man in his seventies. One foot forward, one foot blinded by a corner. Diminished by applause. And maybe something – might be a shine – gave a nickel to his chin. On an edge of worthy, there he waited, and forgot to take the tip to his pocket. And maybe something – might be a rhyme – gave a fickle to his shin. On a badge of worthy, there he scratched his leg, and forget to make a tap to his socket.

And maybe something gave a dime to his dim. Assorted to his wallet. Some quirk of  insistence, lost by someone else while fevering – hopping hands to shear –, some lurk of persistence that sparkled, from the stairs of his dreams. To reach. This flicker.

And mother waited. In the upstairs of his childhood. This flicker. In her hands meatballs which she twisted. And mother waited. In the upstairs of his fears. When Edgar was a toddler. When nothing more appeared to be unreachable.

And Edgar took.

And maybe something – might be a lot – gave a notion to his motion. On a catch of worthy, there he clapped, and forgot to rake around the corner. And maybe something – might be a cot – gave a stench to his potion. On a match of worthy, there he pissed his pants, and forgot to fake at least the worn out.

And maybe something gave a dollar to his shimmer. Assorted to his wallet. Some quirk of  insistence, lost by someone else while fevering – hopping hands to shear –, some lurk of persistence that sparkled, from the cot of his dreams. To reach. This flicker.

And father waited. In the cot of his childhood. This flicker. In his hands a milkshake which he thirsted. And father waited. While he pissed his pants. In the cottage of his fears. When Edgar was a toddler. When nothing more appeared to be accessible.

And Edgar took.

And maybe something – might be a word – gave a shriek to his pause. On a patch of worthy, there he numbed, and forgot to yell the crowd. And maybe something – might be a flicker – gave a punch to his stomach. On a march of worthy, there he halted, and forgot to.

And maybe something gave a check to his gleam. Assorted to his wallet. Some quirk of  insistence, lost by someone else while fevering – hopping hands to shear –, some lurk of persistence that sparkled, from the steam of his dreams. To reach. This flicker.

And Edgar took.


Stood a man in his seventies. One foot forward, one foot blinded by a corner.






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(dedicated to Martin Luther King; John Edgar Hoover)