"Hallo" ist das Pfandleihhaus des "Aufwiedersehn"...



Miniaturen des Absurden

Betrete mit der Miene der Abfälligkeit und erhalte Einlaß

Vom Jardin du Luxembourg zum Panthéon brauchte es schon mehr als platonisches Innehalten, um sich Gehör für Gesehenes zu verschaffen. Da...

Montag, 11. August 2014

Berichte aus Liliput


Abreise


Es gab Probleme – nicht mit dem Taxi, der Verlust ließ sich verschmerzen, aus Sicht des Esels ließ sich der Verlust verschmerzen, Lust, irgendetwas anderes ziehen zu wollen, außer seine Schnute, ließ sich von hier oben nicht erkennen, bestimmt kein Taxi – mit der Abreise. Mit der nun auch wieder nicht. Mit dem Getrampel. Der Esel prasselte die Überreste des Taxis in den Staub. Mit dem nun auch wieder nicht. Mit der Spur der Verwüstung. Mimimi, wohl die Sprache der Kleinheimischen, bedachte dies mit Worten. Mit diesen dann nun wirklich nicht. Die ließen sich ohne HÖRGERÄT nicht hören. Nein, mit dem von P.

Nachdem nun mit P alles in Ordnung schien – der hatte abgewinkt, wohl, um einen neuen Höllenritt heranzuwinken, war er, wie sich herausstellte, der Taxifahrer der Kutsche, P sein voller Name, und für Liliputaner war das schon ein mehr als merkwürdig langer Name, inklusive Vor- und Zuname, war er, P, nun wütend, machte man ihm, bäh, untenrum den Vorwurf, das Taxi alkoholisiert geführt zu haben, und aus Hohn wurde ihm obendrein noch gekündigt, gab man mir mit der Bitte des Auf Wiedersehns zu verstehen, meinen Aufenthalt doch zu loben, was ich versprach –, stand nun meiner Abreise – so glaubte ich – aus dem Großherzugtum Liliput nichts mehr im Wege. Stand auch wirklich nichts mehr.

Man packte mir noch ein Geschenk für die Rückreise ein, ahnte schon den Inhalt, versprach mehr aus einstudierter Höflichkeit als aus Höflichkeit auch dieses zu loben und machte mich, ob verlegen – dazu später mehr – unter einstudiertem Mimimi auf den Weg. Und, als ob ich es schon ahnte, nagte ein Zicklein an meinem Gewissen, ein Picklein, ein klitzekleines Ticklein, nein, ein Zicklein nagte an der Hornhaut meines KLEINEN OTTOS, wirklich, und versah sich wohl an der Wiese, besah meinen NAGEL, und meine Hornhaut hatte tatsächlich Grünspan angesetzt, wohl des feuchten Klimas wegen, und fraß, und brachte mich zum Umdenken, zum Umlenken meines Verabschiedens, brachte Brachliegendes zum Vorschein, Freundlichkeit war es nicht, so etwas gehörte sich nicht, Höflichkeit war nie um eine Ausrede verlegen, um, ja, das war es wohl, was lange brach lag auf dem Acker eines RIESEN, Verlegenheit war das WORT, und aus Verlegenheit, mich nicht richtig, nicht wirklich richtig zuvorkommend von diesem wunderlichen Ländchen verabschiedet zu haben, kramte ich aus Verlegenheit aus meiner Kulturtasche, die ich immer bei mir am Körper trug, und kramte, und wollte nicht so recht, und kramte, und fand sich nicht so leicht zwischen all den Sachen, die ein RIESENMANN so für’s Reisen benötigte – Nagelpfeile, Deo-Spray, Lupe, komplexe Lösungen für den Alltag –, mein HÖRGERÄT heraus, in der Form einer Trompete, um dem Mimimi des Winke-Winke noch ein Tränchen des Abschieds zu entlocken, das WEICHE HERZ eines RIESEN brach, zumindest Bahn, und – das sollte mir noch bei den Verwünschungen der wundersamem, in Eintracht versammelten Bevölkung Probleme bereiten – rutschte es mir nun aus Verlegenheit aus verschwitzten HÄNDEN. Ups. Kein Mimimi mehr. Der Gedanke zählte. 

Und das Geschenk? Ach, das war nicht weiter wichtig. Ich leitete das gewissenhaft an meine Behörde weiter. Das Geschenkeverteilungsgesetz verbot, Geschenke an RIESEN im diplomatischen Dienst auf Dienstreise anzunehmen.

Wie ich hörte, ploppte es sich aus der Verpackung: Ein Fesselballönchen. Aber mein HÖRGERÄT hatte ich ja leider schon im Großherzogtum Liliput verschludert. Wie ungeschickt von mir. 




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