"Hallo" ist das Pfandleihhaus des "Aufwiedersehn"...



Miniaturen des Absurden

Betrete mit der Miene der Abfälligkeit und erhalte Einlaß

Vom Jardin du Luxembourg zum Panthéon brauchte es schon mehr als platonisches Innehalten, um sich Gehör für Gesehenes zu verschaffen. Da...

Mittwoch, 23. Juli 2014

Kein Grund ist das Fundament, einzutreten


Fand ich nicht auf Anhieb, aber steuerte diese Kassettentür im Bereitegang an, wo die Waren aus den Bäuchen großer Lastwagen platzten, dann in Münder aufgerissener Bestellungen sich als schlechte Zähne stapelten und, bevor sich noch ein 'Hallo' oder ein 'Guten Morgen' auf dem Weg zur Verdauung machte, gezogen wurden, Kartons gleich auf Karren, Kisten auf Durst, Silberfässer auf Gummireifen, Obst in eckigen Bäumen, ins dunkle Innere der Rachen, schmaler wie ein Mann mit ausgestreckten Armen, plänkelnder Bodenbelag, auch ratschenden Wänden, auch beschwerender Enge, ausgelutschte Jackettkronen zurück ins Helle eines Morgens gespuckt – Kartons, eilig gefaltet in sperrige Lederhandschuhen, Leergut in klirrender Schlottrigkeit einer nachgetrauerten Nacht oder nun doch Zähneklappern, Fässer, die eine Runde nach der anderen ausgaben, eckige Bäume – das erste Danke dieses Tages als sich die ersten gähnenden Münder zwei Silben wieder schlossen, dann nacheinander, dann die Bäuche sich auf Knopfdruck wieder vernähten, ein letztes Rülps der Hebebühnen beim Saumaufschlag, ein Klatschen der Handschuhe nach dem Eingriff, eines der Schuhe, ein Rumms der Fahrertür, ein Zünden der Rotation, rangierende Körper wie schwule Ballett–Tänzer, ein letztes Augenzwinkern von hinten durch den Blinker, links oder rechts der Ahnung der Liefereinfahrt eines bestellten Zettels folgend, und kam mit ihr ganz natürlich in Berührung – abgeplatzter Charme, fleckiger Messingknauf, Klingel ohne Ton und Namen, abgescheuerte Unterleiste, wo der ungeduldige Fuß sich gegenstemmte, darüber aber, die Kopfzarge, als Teil einer gedachten Parabel, in schattierten Lettern, geschwungen, die Inhaltsangabe:

GOLDSCHMIT & CO ie, Fachhandlung

– vielleicht, weil sie sich nicht auf Anhieb öffnen lassen wollte.

Maulig wie ich war begriff ich meine ausgebeulte Sakkotasche. 


Und indem ich sie herauszog, meine Faust, glättete ich gleich meine Befangenheit am Revers, hinterließ sie flach, wollte nicht mit einem Knick als ersten Eindruck eintreten, ein sanfter Klaps, um uns beide zu versichern, so gestärkt drehte ich am Knauf. Vielleicht hätte ich auch drücken müssen. Nun, sie gab sich zu. Vielleicht, und das dachte ich wirklich dabei, war es ihre Art, sich so bei den Kunden beliebt zu machen. Sie war mir nicht geheuer. Es war nicht die Höflichkeit einer Tür zu verspüren, die gewohnt war, aufzuspringen, wenn man erst drinnen handeln mußte. Warum davor? War das doch der Grund, wozu sie da war. Für das Drinnen. Aber das dachte ich nur, um mich nicht um den Grund meines Erscheinens zu kümmern. Die Bodenleiste gab Anlaß für Bemerkungen, die schon andere hinterließen, ich befolgte deren Rat und stemmte meinen Fuß dagegen, während ich nochmals den Knauf bemühte.

Vermißte ich? Ich machte mir zu viele Gedanken. Aber vermißte ich? Das Knarzen, ein Knarren. Oder wenigstens das Bimmeln einer Klingel oberhalb der Wahrnehmung. Eingewickelte Glühbirnen im Dunst ihres Erscheinens begleiteten ein Verweilen zweier, vielleicht dreier Männer als Adepten der Regale, die kaum aufgeräumt vor sich hin träumten. Links im Raume, dann ein Paar, überkopfhoch, rechts im Raume dann der Tresen mit rauchigen Scheiben. In jeder Gängelung Regenmäntelangewohntheiten, eine halbe Nummer zu groß, Stehkragen, Hornkammbärte, Zwillingsbrillen, Hut mit Krempe. Die Regale standen, die Stehenden ergaben Gänge, die Gänge reihten. Vielleicht erwartete ich nicht solch einen Raum, vielleicht erwartete ich weit weniger Konturen. Vielleicht erwartete ich neben dem Papierkorb der hinteren Wand, neben der verputzten Anfälligkeit, eine Hintertür. Nein, eher einen Durchgang, den eilige Photographen für ihre Entwicklung nutzten. Bis ich mich bemerkbar machte.

Hinterhofeingänge. Ich erinnerte mich. Ich entwickelte meinen Weg bis hierher zurück, entlang, emotionslos geteert:

Die aufgerissenen Mäuler, die aufgeplatzten Bäuche, die schwulen Laster, die Ecke, die Ecke, die dieser des Bereiteganges folgte, das Kabelgewirr der Elektrifizierung, die Mülltonnen vor der Entrümplung, Einweg–Schilder, wieder Ecke, die Hauptstraße, Ampelwäscheleinen durchhängend, der Verkehr in Wäscheklammern hinein geklippst, wieder Schilder, diesmal in Form von Essensrabattmarken, ergaben die Parkdauer, bordsteinlos ein Wasserhydrant, Chloroform–Läden. Keine Restaurants, keine Galerien, noch keine Boutiquen. Dafür diese Verschwendung. Oder Großzügigkeit. Oder.

Nun, wie dem auch sei. Dort, für das Oder, lockte ein Schaufenster. Eingelassen zwischen den Versuchungen der Geschäfte. So breit wie der Raum von innen quer. Fein säuberlich geordnete Versprechungen mit Nummer, Artikelbezeichnung und Preis, dahinter die Regale wie von innen, rechts im Raume, dann ein Paar, überkopfhoch, links im Raume dann der Tresen mit geputzten Scheiben, Lampen mit stetiger Einfassung. Warum, wußte ich nicht mehr, aber ich klopfte.

Ballte die Hand zur Faust, dann gegen die Scheibe der Auslage, gleich zwischen einem geschnitzten Elephanten aus Elfenbein, das aber laut Etikett Backelit war – Ganesha mit Goldschmuck, das Gold war echt; zumindest behauptete das der Preis –, und einem Aschenbecher aus Silber mit Deckel in Form einer Vagina, Drücker und Schlitz – Art Déco vielleicht. Dumpf. Dann nochmal. Dann fächerte ich meine Hand auf. Fugen. Ich blickte zur Seite, hinunter.

Ein Maler, der neben mir kniete, blickte hoch, zur anderen. Ein Farbtöpfchen für die Peinlichkeit, ein Pinsel tropfte an einem angefangenen Treppenabsatz. Er nickte. Ich wie Cary Grant. Versteckte mich in der Sakkotasche.

Vielleicht erwartete ich diesen Raum nicht zu solcher Zeit. Noch zu früh für Geschäfte.


  


*



Dienstag, 22. Juli 2014

Only Archer forgives


An einem Wochenende Family Guy, Archer, Game of Thrones Season 4 und Only God Forgives gesehen.

Only God Forgives fand ich langweilig.

Was stimmt mit meinem Leben nicht?


Ich stehe vor meinem Regal und suche diese verdammte Flasche Single Malt. Sie muß doch irgendwo sein! Ein Viertel Beefeater Gin ist noch da. Für Notfälle klebt ein Life in the fast lane-Post-it dran. Herr-Gott-verdammt, muß sie überall ihre Poesie-Album-Seiten draufkleben?! „Mutter!“

„Was. Ist. Sterling!“

„W o f ü r. B r a u c h s t. D u. D e n. S i n g l e. M a l t. W h i s k e y ?!”

„Ich brauche ihn, um mir damit die Brüste einzureiben. Ich habe seit der letzten Begegnung mit Rrramon derben Ausschlag auf den Nippeln.“

„Der war für Notfälle!“

„Der Beefeater war für Notfälle!“

Lana und ich…“

Sterling Malory Archer. Ist Dir schon mal aufgefallen, daß immer wenn Du ‚Lana und ich‘ sagst, irgendwo im Himalaya ein einsames Kind an Kälte stirbt?“

Lana und ich…“

„Himalaya.“

„…wollten mit dem Single Malt unsere letzte ultra-geheime-niemand-darf-davon-wissen Mission begießen. Und jetzt denkst Du nur an Deine Brüste.“

„…Nippel. An denen ich Dich genährt habe. Weiß Gott, das war kein Spaß! Vergiß das nicht.“

„Sagtest Du nicht, wir hatten eine Amme?“

„…und außerdem. Was heißt ultra-geheime Mission? Ganz ISIS weiß davon. Irgend so ein Idiot hat die Sache ans ganze Haus gemailt…“

(„Hm, Rundmail geht nicht mit ctrl+v? Das hat mir keiner gesagt.“)

„…und auf den Rechner einen Virus installiert, der das gesamte Kommunikationssystem nach draußen zerstört hat. Stattdessen ploppten überall diese schrecklichen Schundbilder auf mit Widerlichkeiten, die ich gar nicht wage auszusprechen. Eine Flasche spielt dabei eine Rolle. Und dann war da noch alles naß. Ein Mann und eine Frau, deren Gesichter man nicht sieht, werden dafür in der Hölle braten.“

Lana und ich…“

„…Himalaya…“

„…haben einen gemütlichen Dia-Abend geplant. Mit dem Single Malt. Und Du hast es jetzt kaputt gemacht!“

„Aber die Flasche war doch leer!“

„War sie das, hm.“

„…“

„W a s ! M u t t e r !“

„S t e r l i n g !“



„War doch nur Wasser! Wozu die ganze Aufregung!“

„Dafür wirst Du und Lana in der Hölle schmoren.“

Lana und ich…“



„H I M A L A Y A !”






Notiz an mich: Weniger Archer gucken. Irgendwas mit Einhörnern und Ponys. Oder gleich Eichhörnchen. Ist besser für mich.




*