"Hallo" ist das Pfandleihhaus des "Aufwiedersehn"...



Miniaturen des Absurden

Betrete mit der Miene der Abfälligkeit und erhalte Einlaß

Vom Jardin du Luxembourg zum Panthéon brauchte es schon mehr als platonisches Innehalten, um sich Gehör für Gesehenes zu verschaffen. Da...

Sonntag, 10. August 2014

Berichte aus Liliput


Sehenswürdigkeiten


Es gab Probleme – nicht mit dem Konsularbeamten, der hatte seine Spur hinterlassen, das mit dem Boden und den Punkten betrachtete man als verzeihbaren Ausrutscher eines RIESENSCHRITTES, man sah darin die Unbekümmertheit eines ausländischen Besuchers, der noch nicht mit den kleinheimischen Gepflogenheiten vertraut war, wie man seinen auf die Sitten der Gebräuche des Kleinwüchsigen setzte, und nachdem nun mein FUSS wieder glänzte, Schrubbesen und Eimerchen und der Wischmob befüßelten ihn sauber, stand er da, auf dem größten Platz, platt, aber auf dem größten Platz, was dem Begriff Plattfuß eine neue Wendung gab, und roch wie eine frischgemähte Blümchenwiese – mit der Unterkunft. Mit der nun auch wieder nicht. Die angedachte erwies sich als zu klein. Man zeigte mir die größte zur Verfügung stehende. Mit der nächsten. Mit der nun auch wieder nicht. Die ließ sich überschauen. Mit der übernächsten. Nein, nicht mit der. Mit der Aussicht auf die Sehenswürdigkeit.

Nachdem nun mit meinem Diplomatenpaß alles in Ordnung schien – der hatte überall seine Gültigkeit, der ging frei Haus, nur bei meiner Heimreise stellte ich mich schon mal auf welche ein, weil ein Erdbeben alle für Riesen bewohnbaren Bauten zerstört hatte, einem Gerücht zufolge hatten die RIESENRIESEN aus dem östlichen Nachbarmorgenland ein paar Berge versetzt, indem sie Boule oder Boccia mit diesen spielten und mein RIESENabendland war wohl der Rollmops, an dem sie diese anstießen, wer näher dran war, hatte gewonnen, und nur deshalb noch ein paar Ruinen standen, weil die RIESENRIESEN gähnend Feierabend machten, was zu noch mehr Rumoren und Erschütterungen führte, oder mußte wohl, einem zweiten Gerücht zufolge, eher einem schnöden Schwimmbadausbau weichen, wie dem auch sei –, und auch das Check-In ohne weitere Verzögerungen ablief wie Schmidts Riesenkater und mir die Reception mit dem Lächeln des Kleinstolzes, den nur Concierge-Etagen – die waren nicht ohne Grund, daher ganz unten – aus der Ferne der Hoteluniversalitäten in die Höhe schickten – es dauerte, bis das Licht aus dem Kleinklein meine AUGEN erreichte samt so nun dem Lächeln aus der Vergangenheit –, stand nun das Beziehen – so glaubte ich – der Unterkunft im Großherzogtum Liliput nichts mehr im Wege.

Der Concierge schnippschnippte nach dem Hotel-Boy, legte die Zimmerschlüssel auf den Nagel meines Dicken Ottos ab, wofür er hinter seinem Tresen hervorkommen mußte, allerdings die Hintertür benutzen mußte, da ja mein FUSS die Hotel-Lobby sperrte, um das Hotel herumgehen, durch den Vordereingang wieder herein, an KNÖCHEL und BALLEN vorbei und wieder denselben Weg zurück, schon außer Atem oder blankem Entsetzen der Dimension seiner Lunge wegen, damit er schnippschnippen konnte, um seine Autorität wenig-stens gegenüber dem Hotel-Boy wältchen lassen konnte, ohne Tresen wohl nicht. Der Hotel-Boy kam dann auch angelaufen – ob er sich beeilte, ließ sich von oben nicht erkennen, glaubte aber sein beeiliges Schwitzen zu spüren, als er sich an meinem KNÖCHEL stieß, da dieser nun etwas von seiner Frische einer frischgemähten Blümchenwiese vermissen ließ –, schnappste nach den Schlüsseln und, es war wie ein Schrie, kein Schrei, den meine OHREN wohl vernahmen von ganz unten – der auch aus der Vergangenheit, die Schallwellen bummelten mit Weile –, der mir bedeutete, nicht mir, eher meinem Dicken Otto, daß von dem Konsularbeamten doch Spur blieb zwischen dem und dem nächsten, meinem Dicken Zeigezeh, den der Wischmob beim Schrubben wohl übersehen hatte. Ich fusselte ihn wie Fusseln von der Socke aus den Zehen und wischte diese an der Unbekümmertheit meiner Reise ab. Was ich nicht wußte: das sollte mir bei der Tour über die Sehenswürdigkeiten noch Probleme bereiten.

Weil sich nun ein Kleindrama aus der Concierge-Etage ankündigte. Warum ich mich einmische, das ginge aufs Haus, das sei dem Service überlassen, man sei schließlich ein unabhängiges Hotel-Kettchen, man komme selbst für seine GÄSTE auf. Und während ich noch in meinem Kulturbeutel, den ich immer am Körper bei mir trug, kramte und schon eine VERGRÖßERUNGSLUPE hervorholte, um mir die Kleinkleinlichkeit näher heranzuholen, zumindest zeitlich näher in meine Augen, damit das Kleinbilddrama nicht solange brauchte, um die Distanz zwischen Concierge-Zwerg und RIESENSEHEN zu verringern, nagte ein ungutes Gefühl an meinem NACKEN, wurde warm und wärmer, und pikste und pakste, war aber nur der Sonnenschein, der fiel von schräg oben herab, auf meinen NACKEN, dann durch meine VERGRÖßERUNGSLUPE, dann, nun ja, auf den Boden der Gemütlichkeit von Zwergendramen und zizuschte den Concierge, den Hotel-Boy und die angelaufene Lobby-Schar, was soll’s, die ganze Hotel-Lobby zu Rauch. Ob weißer oder schwarzer ließ sich von hier OBEN nicht erkennen. Ups. Ich steckte meine LUPE wieder zurück in meinen Kulturbeutel. Vom Rauch nur mehr Riechen. Die Probleme eines RIESEN mit den Zwergstaaten. Ich kramte meine Gelassenheit heraus. Und kramte.






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