Sehenswürdigkeiten
Es gab Probleme –
nicht mit dem Konsularbeamten, der hatte seine Spur hinterlassen, das mit dem
Boden und den Punkten betrachtete man als verzeihbaren Ausrutscher eines RIESENSCHRITTES,
man sah darin die Unbekümmertheit eines ausländischen Besuchers, der noch nicht
mit den kleinheimischen Gepflogenheiten vertraut war, wie man seinen auf die
Sitten der Gebräuche des Kleinwüchsigen setzte, und nachdem nun mein FUSS
wieder glänzte, Schrubbesen und Eimerchen und der Wischmob befüßelten ihn
sauber, stand er da, auf dem größten Platz, platt, aber auf dem größten Platz, was
dem Begriff Plattfuß eine neue Wendung gab, und roch wie eine frischgemähte
Blümchenwiese – mit der Unterkunft. Mit der nun auch wieder nicht. Die
angedachte erwies sich als zu klein. Man zeigte mir die größte zur Verfügung
stehende. Mit der nächsten. Mit der nun auch wieder nicht. Die ließ sich
überschauen. Mit der übernächsten. Nein, nicht mit der. Mit der Aussicht auf
die Sehenswürdigkeit.
Nachdem nun mit meinem Diplomatenpaß alles in
Ordnung schien – der hatte überall seine
Gültigkeit, der ging frei Haus, nur bei meiner Heimreise stellte ich mich schon
mal auf welche ein, weil ein Erdbeben alle für Riesen bewohnbaren Bauten
zerstört hatte, einem Gerücht zufolge hatten die RIESENRIESEN aus dem östlichen
Nachbarmorgenland ein paar Berge versetzt, indem sie Boule oder Boccia mit
diesen spielten und mein RIESENabendland war wohl der Rollmops, an dem sie
diese anstießen, wer näher dran war, hatte gewonnen, und nur deshalb noch ein
paar Ruinen standen, weil die RIESENRIESEN gähnend Feierabend machten, was zu
noch mehr Rumoren und Erschütterungen führte, oder mußte wohl, einem zweiten
Gerücht zufolge, eher einem schnöden Schwimmbadausbau weichen, wie dem auch sei
–, und auch das Check-In ohne weitere
Verzögerungen ablief wie Schmidts Riesenkater und mir die Reception mit dem Lächeln des Kleinstolzes, den nur Concierge-Etagen – die waren nicht ohne Grund, daher ganz unten – aus der Ferne der
Hoteluniversalitäten in die Höhe schickten –
es dauerte, bis das Licht aus dem Kleinklein meine AUGEN erreichte samt so nun
dem Lächeln aus der Vergangenheit –, stand nun das Beziehen – so glaubte ich – der Unterkunft im Großherzogtum Liliput nichts mehr im
Wege.
Der Concierge
schnippschnippte nach dem Hotel-Boy,
legte die Zimmerschlüssel auf den Nagel meines Dicken Ottos ab, wofür er hinter seinem Tresen hervorkommen mußte,
allerdings die Hintertür benutzen mußte, da ja mein FUSS die Hotel-Lobby
sperrte, um das Hotel herumgehen, durch den Vordereingang wieder herein, an
KNÖCHEL und BALLEN vorbei und wieder denselben Weg zurück, schon außer Atem
oder blankem Entsetzen der Dimension seiner Lunge wegen, damit er
schnippschnippen konnte, um seine Autorität wenig-stens gegenüber dem Hotel-Boy wältchen lassen konnte, ohne
Tresen wohl nicht. Der Hotel-Boy kam dann auch angelaufen – ob er sich beeilte, ließ sich von oben nicht erkennen, glaubte aber
sein beeiliges Schwitzen zu spüren, als er sich an meinem KNÖCHEL stieß, da
dieser nun etwas von seiner Frische einer frischgemähten Blümchenwiese
vermissen ließ –, schnappste nach den Schlüsseln und, es war wie ein
Schrie, kein Schrei, den meine OHREN wohl vernahmen von ganz unten – der auch aus der Vergangenheit, die
Schallwellen bummelten mit Weile –, der mir bedeutete, nicht mir, eher
meinem Dicken Otto, daß von dem
Konsularbeamten doch Spur blieb zwischen dem und dem nächsten, meinem Dicken Zeigezeh, den der Wischmob beim
Schrubben wohl übersehen hatte. Ich fusselte ihn wie Fusseln von der Socke aus
den Zehen und wischte diese an der Unbekümmertheit meiner Reise ab. Was ich
nicht wußte: das sollte mir bei der Tour über die Sehenswürdigkeiten noch
Probleme bereiten.
Weil sich nun ein Kleindrama aus der Concierge-Etage ankündigte. Warum ich
mich einmische, das ginge aufs Haus, das sei dem Service überlassen, man sei schließlich ein unabhängiges
Hotel-Kettchen, man komme selbst für seine GÄSTE auf. Und während ich noch in
meinem Kulturbeutel, den ich immer am Körper bei mir trug, kramte und schon
eine VERGRÖßERUNGSLUPE hervorholte, um mir die Kleinkleinlichkeit näher
heranzuholen, zumindest zeitlich näher in meine Augen, damit das Kleinbilddrama
nicht solange brauchte, um die Distanz zwischen Concierge-Zwerg und RIESENSEHEN
zu verringern, nagte ein ungutes Gefühl an meinem NACKEN, wurde warm und
wärmer, und pikste und pakste, war aber nur der Sonnenschein, der fiel von
schräg oben herab, auf meinen NACKEN, dann durch meine VERGRÖßERUNGSLUPE, dann,
nun ja, auf den Boden der Gemütlichkeit von Zwergendramen und zizuschte den Concierge, den Hotel-Boy und die angelaufene Lobby-Schar,
was soll’s, die ganze Hotel-Lobby zu Rauch. Ob weißer oder schwarzer ließ sich
von hier OBEN nicht erkennen. Ups.
Ich steckte meine LUPE wieder zurück in meinen Kulturbeutel. Vom Rauch nur mehr
Riechen. Die Probleme eines RIESEN mit den Zwergstaaten. Ich kramte meine
Gelassenheit heraus. Und kramte.
*
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