"Hallo" ist das Pfandleihhaus des "Aufwiedersehn"...



Miniaturen des Absurden

Betrete mit der Miene der Abfälligkeit und erhalte Einlaß

Vom Jardin du Luxembourg zum Panthéon brauchte es schon mehr als platonisches Innehalten, um sich Gehör für Gesehenes zu verschaffen. Da...

Samstag, 9. August 2014

Berichte aus Liliput


Unterkunft


Es gab Probleme – nicht mit der HÜFTE, die ließ sich nach allem Zögern einschätzen, man nahm das höchste Gebäude vor Ort, man fand keines, also nahm man einen Berg als Vergleichsmaß und der Zollhauptmann ordnete mirnichtsdirnichts meinen KOPF als Teil meines Ganzen ein, der ja mit den Beinen einreiste, und somit oberhalb des Gürtels Zollfreiheit genoß, und der Teil, der den Diplomatenpaß hielt, meine RIESENHAND, fiel auch zufällig in die bödige Zuständigkeit, da ich sie glücklicherweise unterhalb des Gürtels hielt, also war auch diese Unannehmlichkeit gelöst – mit dem Plopp. Mit dem nun auch wieder nicht. Das erste Plopp ging aufs Haus. Mit dem zweiten. Mit dem nun auch wieder nicht. Das ließ sich vom ersten nicht mehr unterscheiden. Mit dem dritten. Schon damit waren die kleinen Ohren überfordert. Nein, nicht mit dem. Mit dem Ploppplopp.

Nachdem nun mit meinem Diplomatenpaß alles in Ordnung schien – der hatte überall seine Gültigkeit, nur bei meiner Heimreise stellte ich mich schon mal auf Behördenkram ein, nicht, weil er drohte abzulaufen, der war für immer und ewig gültig, sondern, weil mein Land, das auf Wasser gebaut war, einzustürzen drohte, dem Boden, eher der vielen großen Füße wegen – und der Zollhauptmann mir Wohlwollen mit einem Nasenschieber bescheinigte und er das mit dem Visum, das eigentlich ja dem Gesichte galt, das aber neue alte Probleme bereitete, gleich wieder besser vergaß – ob der Liebe zu seiner Mütze wegen oder Abneigung gegen das Schmoppen, ließ sich von hier oben nicht erkennen –, stand nun meiner Einreise – so glaubte ich – ins Großherzogtum Liliput nichts mehr im Wege.

Der Zollhauptmann übergab mich nicht ohne Anflug eines Aufatmens, nun eine Sorge los zu sein, dem Konsularbeamten, der nun vor meinen Dicken Otto trat, seine Aktentasche auf den Nagel abstellte, diese öffnete, Formulare in bunter Blättervielfalt mittels Däumlingskino in Form brachte, sie nach der hiesigen Farbenlehre auf dem Nagelbett ausbreitete, Stempelkissen und Stempel dazustellte – Importware –, ein Tintenfäßchen und einen Federkiel. Ich beantwortete gewissenhaft alle seine Fragen, ob das Sprühen mit dem Deo einem Angriffskrieg gleichkomme, ob ich beabsichtige, weiterhin meine Fußnägel wachsen zu lassen, ob ich noch weitere Wolken in meinen NASENLÖCHERN mitführe. Er kreuzte alles nötige an, sah auf, befeuchtete die Spitze des Federkiels zwischen seinen Lippen, sah herab auf seine Kästchen, wischte seine Blätter zusammen, hielt sie in beiden Händchen, klopfte sie auf meinem Nagel zur Ordnung, schmiß sie dann unwirsch in das Aktenköfferchen, schmoppte den Deckel zu – was wohl die einheimische Lautmalerei für Mißmut war –, kloppte dann die Verschlüsse zu, kloppklopp, und bedachte mich wortlos, aber mürrisch zu meiner schon vorbereiteten Unterkunft.

Ich versuchte, ihm zu folgen. Zu meiner Überraschung ging er recht forsch. Meine FÜSSE folgten ihm und versuchten, ihn nicht niederzutrampeln. Wir kamen an den verpufften Träumen von einer eigenen Luftwaffe vorbei, die Heißluftfesselballönchenmännchen kramten sich ächzend aus den Stoffhüllen, unter denen die Körbchen begraben waren, reckten und streckten sich, zumindest zur Höhe einer Hornhautschuppe meiner ZEHEN, konnte, konnte dann nicht an mich, steckte einen FINGER in den MUND, von innen gegen die BACKE und ploppte. Plopp. Plopp. Plopp. Und Doppelplopp. War ich doch der Meinung, daß man ein Land mit dem Humor betreten sollte, den man von zuhause mitbrachte, als Geschenk der Ehrerbietung, unterschätzte allerdings, daß ein so großer HUMOR, den ich aus meiner Kulturtasche, die ich immer am Körper bei mir trug, kramte, auf so kleine Leutchen wohl wie Fallbeile auf Kleinholz wirkte. Was ich nicht wußte: das sollte mir bei der Wahl meiner Unterkunft noch Probleme bereiten. Weil sich nun ein kleinlautes Gemurmel aus dem Boden – für mich war es einer – hoch zu meinem OHR quälte, der aus zusammengelaufenen Pünktchen bestand – für sie war es wohl ihr größter Platz –, und ich nicht hören konnte, weil, nun ja, weil sich wohl durch das Ploppen in der Backe ein Pfropfen OHRENSCHMALZ von meinem Ohreingang löste und durch das Krauschen vorm Trommelfell ich nun wirklich nichts mehr hören konnte, außer diesem Krauschen, und davon wohl abgelenkt ungeschickt meinen Fuß auf den Boden setzte – für mich war es einer – mit einem Schmatz. Ups. Ich steckte meinen HUMOR wieder zurück in den Beutel. Vom Konsularbeamten eine rote Spur. Die Probleme eines RIESEN mit den Zwergstaaten. Ich kramte meine Gelassenheit heraus. Und kramte.






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