"Hallo" ist das Pfandleihhaus des "Aufwiedersehn"...



Miniaturen des Absurden

Betrete mit der Miene der Abfälligkeit und erhalte Einlaß

Vom Jardin du Luxembourg zum Panthéon brauchte es schon mehr als platonisches Innehalten, um sich Gehör für Gesehenes zu verschaffen. Da...

Samstag, 10. Februar 2018

Das Teilen durch Nullpe


Meine Brieffreundin sagt.

Meine Brieffreundin sagt – die, nebenbei erwähnt, klug und schön ist –, daß ich mich jetzt mit Mathematik beschäftigen soll.

„Warum soll ich mich denn jetzt mit Mathematik beschäftigen?“, frage ich meine Brieffreundin, die, nebenbei bemerkt, klug und schön ist. Sagt sie.

„Es gibt so viel, womit ich mich jetzt beschäftigen könnte. Ich könnte mich jetzt um den Weltfrieden, Weltpolitik, Weltfeelings kümmern. Es gibt so Vieles, worum ich mich kümmern könnte. Einer muß es ja machen.“

„Doch.“, sagt meine Brieffreundin, die nebenbei behauptet, klug und schön zu sein. Ich solle mich jetzt mal darum kümmern. „Kümmere Dich mal darum.“, sagt sie.

„Soll ich mich jetzt auch noch darum kümmern? Ich kümmere mich ja schon ums Weltgeschehen. Ich könnte mich da klug und schön drum kümmern.“, sage ich.

Meine Brieffreundin sagt – sie ist dumm und häßlich:

„Niemand kümmert sich mehr um Mathematik. Mach‘ da mal was.“ Kurz und knapp sagt sie das. Sagt meine kurze und knappe Brieffreundin.

„Mathematik ist schon erfunden.“, sage ich meiner Brieffreundin, die eine Fotze ist.

„Ist doch egal.“, sagt meine Brieffreundin, der es egal ist, daß ich Fff, Ffff gesagt habe. „Das Rad wurde auch mehrmals erfunden. Nämlich fff, ffff, fiermal:

Forne links, forne rechts, hinten links, hinten rechts.

So. Widme Dich mal dem Teilen durch Null. Das ist noch nicht definiert.“

„So.“, sagt meine Brieffreundin. Was für eine dumme und häßliche Brieffreundin ich habe. Kann ich nicht eine normale Brieffreundin haben?


Hätte ich alle Möglichkeiten, würde ich sie zur Null machen, denke ich. Aber ich habe leider null Möglichkeiten. Also, denke ich trotzig, habe ich alle Möglichkeiten:


Wenn es unendliche Möglichkeiten gibt, dann gibt es keine.

Wenn es keine Möglichkeiten gibt, dann gibt es unendliche.


- ∞ + ∞ = 0
- ∞ = 0 - ∞
+ ∞ = 0 + ∞
- ∞ + ∞ = 0
∞ = 0

∞ ≠ Primzahl


Wenn es unendliche Möglichkeiten gibt, dann gibt es keine.


- ∞ = + ∞ = 0


Ich kann denken, was ich will: Wer alles denkt, denkt nichts.

Nichts durch nichts oder alles ist nichts.

0/∞ = 0

Alles durch nichts ist alles.

∞/0 = ∞

Alles ist nichts.


Wenn es keine Möglichkeiten gibt, dann gibt es unendliche.
Negative wie positive.


„Das Teilen durch 0 ist somit definiert.“, sage ich meiner klugen und schönen Brieffreundin und zeige ihr, daß ich mich jetzt auch noch um die Mathematik gekümmert habe.

„Du hast sie ja nicht mehr alle.“, sagt die Fotze. „Du kümmerst Dich um nichts. So kümmerst Du Dich um alles, denkst Du wohl.“

„Wenn ich nicht mehr alle habe, habe ich weniger.“, sage ich meiner klugen und schönen Brieffreundin mathematisch.

„Habe ich nichts, dann habe ich alles.“, sage ich. „Und das ist mehr als nichts.“

„Du bist eine Null.“

„Dann habe ich alle Möglichkeiten einer Null.“, sage ich. 

„Wir teilen nichts.“


„Damit teilen wir schon alles.“, sagt sie.





*





Die Formel für Glück:


 „Glück ist gleich Liebe von Dingen, die von einander ahnen, durch die Zeit, die sie in der Unendlichkeit vergleichend mit der Größe ihrer zukünftigen Örtlichkeit abhängig miteinander verbringen im Zustand der Harmonie.“



Die Formel der Liebe:



 „Die Verschränkung φ kann nur Liebe sein: An zwei Orten gleichzeitig. Doch ungewiß verortet.“







[Hinweis: - ∞ und + ∞ kann man nicht einfach gegenrechnen, so wie -1 und +1, was zusammen 0 ergibt.

Negative und positive Unendlichkeiten zusammen bleiben unendlich (∞). Sind zusammen aber beides Nichts (0). Daher ∞ = 0.

Unendlichkeit ist Nichts. Erst durch Endlichkeit erhält man einen Wert, dem man z. B. durch 1 ausdrücken könnte oder - 1. Erst durch Endlichkeit erhält man ein Gefüge: 1 Welt, 1 Welt, die zusammenbricht, 1 Ort, 1 Ort, der vergeht, ein Solarsystem, 1 Solarsystem, das zerbricht, 1 Gedanke, 1 Gedanke, der erlischt, 1 Mensch, ein Mensch, der stirbt. Ein Mensch, der für jemanden anderen gestorben ist, behält erstaunlicherweise den Wert 1.

G (Glück) steht hier für Gravitation. Ich beschreibe die Wirkungen der Gravitation mit Zeit und Raum durch verschränkende, sich gegenseitige bewirkende Dinge, in ihrer Entscheidung unter Chaos zusammenzufinden oder sich abzustoßen. Anziehung und Abstoßung. Sehnsucht und Widerwille.

Der Umlauf eines Planeten um eine Sonne kann man als Widerwille verstehen, sich mit der Sonne einzugliedern, sich nur in balancierter Bahn unter Abstand zu fügen, um die Eigenständigkeit des Planeten zu bewahren, was wiederum eigenständige Dinge (wie zum Beispiel Menschen, Lebewesen) hervorzubringen ermöglicht.

Es geht um Möglichkeiten. Um viele Möglichkeiten.

Und es geht um Harmonien. Um eine Harmonie.

Eine harmonische Anzahl von Möglichkeiten, die das Gesamtgefüge nicht zum Kollaps bringt. Unendliche Möglichkeiten führen zum Nichts. Zum Null-Punkt der ersten Ausgangslage. Alle Planeten eines Solarsystems würden entweder in die Sonne stürzen oder extrahieren, das heißt, sich aus dem Solarsystem entfernen, um sich einem anderen gravitätischen Hoheitssystem anzubündeln. 

Übertragen auf den Menschen heißt das:

Statt mir darum Gedanken zu machen, könnte ich mir auch die Fußnägel lackieren oder langsam Sekundenkleber in die Augen tropfen. Mein Wunsch steht dem entgegen, welche Aktion mir weniger Nutzen bringt. Bin ich dadurch zufrieden? Glücklich? Lebendig? Auch das könnte man als Formel ausdrücken: Die Wunsch-Formel. Wie viel Tropfen Sekundenkleber pro Auge braucht’s zum Glücklichsein?

Mein Leben in Endlichkeit hat den Wert 1. Wert 1 hat aber noch unendliche Nebenwerte wie z. B. 0,999 oder 0,234 oder 0,111. Unendliche andere. Also wie gut das Leben ist. Leben hat den ersten, höchsten, endlichen Wert: Wert 1. Fällt der Wert des Lebens auf 0, dann ist man unendlich. Tot, aber unendlich: ∞ = 0

Man könnte auch von ∞0 (unendlich null oder null unendlich) sprechen.

Unsterblich ist man nur in seinen Atomen. Aber selbst die kann man spalten. Oder verschmelzen. Auch Gene können unsterblich sein. Indem sie denselben Inhalt immer reproduzieren. Aber selbst die kann man in heißem Wasser totkochen. Womit wir wieder bei den Atomen wären.

Ich betreibe diese Seite, um nicht auf den Wert 0,0 zu fallen, mir nicht die Fußnägel lackieren zu müssen oder mir Sekundenkleber in die Augen zu tropfen. Nagellack und Sekundenkleber habe ich nicht, also betreibe ich diese Seite. Ich empfinde tatsächlich so etwas wie Freude daran.

Ich weiß, Freude ist nicht mehr sozial korrekt heutzutage. Ich bin wohl altmodisch. Andere Absichten hege ich nicht. Ich bin ein kleiner Planet, der Abstand zur Sonne lieber hält und dabei in Balance ist (Harmonie), als mich in die Sonne zu stürzen, auf die eitle Möglichkeit hin, kurz und hell zu strahlen. Im Widerschein anderer. Und den Wert 0 zu erreichen: Schnell, aber strahlend sonnengebräunt. Ich erzeuge mein eigenes Licht. Unter einer Wärmebildkamera erzeuge ich mein eigenes Licht. Das müssen andere nicht erkennen können. Ich aber kann sie fühlen. Die Wärme.

Ab und zu knallen Kometen auf meinen Planeten. Aber das muß mich nicht stören.

Jeder Mensch ist Gravitation.

Gefallen muß jede Gravitation nicht.

Auf die Mischung von Anziehung und Abstoßung kommt es an. Abstoßung erzeugt Anziehung. Anziehung erzeugt Widerwille. Widerwille erzeugt Abstoßung. Abstoßung erzeugt Anziehung. Ich verschwende hier nur meine eigene anziehende Zeit. Und es ist eine schöne Zeit. Die Schönheit von Zeit wird selten beschrieben. Aber das ist doch alles, was wir haben, wir Menschen. 

Und wie anziehend ist eigentlich Zeit? Sollte man dafür nicht auch eine Formel erfinden? Was ist Gravitation ohne Zeit? Was ist Zeitlosigkeit? 

Manchmal denke ich so. Ich könnte stattdessen ja auch Gedichte schreiben, weil es nicht erlaubt ist, so zu denken. Aber die werden ja mittlerweile übermalt, weil es mittlerweile nicht mehr erlaubt ist, so zu schreiben. Warum malt man eigentlich nicht „Selbst schuld. Jetzt hast Du den Kopf gehoben.“ auf die hohe Hauswand? Sollte man mal bedenken. „Selbst schuld. Jetzt hast Du das gelesen.“ könnte ich auch hier hin schreiben. Sollte ich mal bedenken.]






Mittwoch, 7. Februar 2018

Unlüge! Es gibt kaum ein Bereich, in dem so viel gelogen wird, wie bei der eigenen Attraktivität


HÖRZU-Titelbild der Weihnachtsausgabe.
Wer kennt es noch?


„Ja, schon klar, Super-Girl (DC-Comics, erwachsen, ich Marvel). Die Realität ist auch nur ein ausgedachtes Theaterstück. Vorgespielt. Auf der Bühne. Für den einen im Publikum, der immer klatscht. Für den lächelt man noch mehr. Für den hebt man das Kinn noch etwas mehr, hebt den Kopf noch etwas mehr, damit er seitlich noch etwas mehr Fläche bietet, die Augen suchen den Decken-Spot. Damit sie noch mehr funkeln, wenn sie das Licht reflektieren. Der Blick wendet sich dabei ab, so läßt man sich am besten bewundern. Hinter dem Vorhang dann die entscheidende Frage ins Dunkle des Seitenaspekts flüsternd gestellt, das soll einen bestätigen: ‚Wie war ich? Habe ich wirklich das Spot-Light mit meinen Augen getroffen und das Licht reflektiert? Ich konnte dabei ja nichts sehen. Ich habe ja an die Decke geschaut. Ich mußte die Augen dabei aufgesperrt lassen. Und beinahe habe ich dabei getränt. Und ich konnte auch das Publikum nicht sehen. Ich mußte ja das halten. Aber einer hat geklatscht. Dann habe ich das Funkeln wohl getroffen? Warst Du auch so von meinem Angestrahltsein berührt?‘“

„Es gibt kaum ein Bereich, in dem so viel gelogen wird, wie bei der eigenen Attraktivität.“, antworte ich mit Daumen hoch, und dann starb der Oscar in ihr. Ein wenig.

„Ja, das ist es. Halte das. So stirbt man richtig. Merke es Dir für die nächste Blumenszene.“

Unattraktive Menschen wie ich begegnen der Realität mit der Genügsamkeit von Fallobst, das nicht mehr prachtvoll am Zweiglein hängen muß, und nun am Boden zufrieden darauf wartet von einem Igel angefressen und fern des Stammes in Samenform seitlich der Hecke neben einem Laubblatt, rötlich, ausgeschissen zu werden. Nie war ich glücklicher, nichts mehr ausstrahlen zu müssen, nie war ich glücklicher, nichts mehr vorspielen zu müssen. Ich bin unattraktiv, und das macht mich glücklich.

Nichts muß ich mehr sein. Keine Erwartungen muß ich mehr erfüllen. Ich muß nur noch ein ausgeschissener Apfelkern sein.

Für mehr muß ich mich nicht mehr rechtfertigen. Keinem muß ich mehr meinen Humor unter Beweis stellen, ich muß nicht mehr mitlachen, wenn ich gar nicht lachen will, wenn es auch gar nicht lustig ist, ich muß nicht mehr so tun, als ob jemand toll ist, weil man etwas von dem will, auch wenn die gar nicht so toll ist, auch wenn man gar nichts von der will – aber es könnte ja etwas mangeln, also muß man so tun –, ich muß kein Status sein, den andere nur für sich brauchen, weil sie Status für die Nachbarnkollegenfreundefamilie brauchen, wie das Rentnerauto, bei dem sich der Rentner dafür vergewissern muß, bei seinen Nachbarn, ob man auch das richtige Auto gekauft hat und so viel investiertgeldausgegebenprospekte geblättert hat und ob es auch die richtige Farbe hat, damit die Nachbarschaft nicht tuschelt, ich muß nicht mehr vorzeigbar, angebbar, abwaschbar sein.

Ich muß nur eine Wohnung haben, essen, schlafen, träumen, atmen, Wasser trinken.

Ich muß keine Hoffnung in anderen mehr sein, in denen etwas zu erwecken, Ansprüchen genügen, nicht mehr nicht doof sein – was ich gerne bin –, kein Funkeln mehr erzeugen, keine noch so empfindliche Empfindlich-, Fühlig-, Launig-, Kleidsamkeit benicken.

Ich muß nur noch beschauen, was ich für mich selbst als erträglich empfinde.


Wenn ich will, laß ich es schneien.

Ich muß keine Worte von anderen mehr lesen, muß nicht mehr zuhören, wenn jemand etwas sagen muß, muß nicht auf irgendetwas warten, muß nicht Klicks beachten, keine Seiten im Internet aufsuchen, keinem folgen, kein Gefühl haben, etwas Wichtigeswichtigeswichtiges zu verpassen, darauf harren, lesen, schauen. 

Darauf verstarren, daß andere einen vergnügen, unterhalten, amüsieren, muß nicht mehr anderen genügen.

Ich erwische mich dabei, seit Längerem häufig zu lachen. Gut gelaunt zu sein. Mich zu freuen.

Zu lesen gibt es nichts, interessante Leute zu beschauen gibt es nicht, im Fernsehen läuft nur Schrott. Meine Fenster haben einen schönen Ausblick.

Ich warte auch nicht mehr darauf, daß es Gutes zu lesen gibt, es interessante Leute zu beschauen gibt, im Fernsehen etwas Interessantes läuft. Meine Fenster haben einen schönen Ausblick, ich höre Kinder lachen.

Ich schreibe etwas, dann ist es wie Stricken:

Manchmal aufzuschauen. Mir Menschen vorzustellen, sie zu erfinden. Was könnten sie sagendenkenfühlendummestun?

Schöner Himmel, wieder Kinderlachen.


Ich lache dabei.



Wenn ich will – wenn ich ganz mutig bin –, schaue ich einfach so.
Aber dann muß ich mich richtig, richtig überwinden.
Ich muß nur wieder wegblicken.
Dann geht's.
Ganz schlimm: Rechts ist auch noch ein See.
Sommers hasse ich es, in dem zu baden.





*






(Ode/r an das bedingungslose Grundbekommen, erwartungslos selbstgenügsam zu sein.)