"Hallo" ist das Pfandleihhaus des "Aufwiedersehn"...



Miniaturen des Absurden

Betrete mit der Miene der Abfälligkeit und erhalte Einlaß

Vom Jardin du Luxembourg zum Panthéon brauchte es schon mehr als platonisches Innehalten, um sich Gehör für Gesehenes zu verschaffen. Da...

Freitag, 15. August 2014

Ich kannte mal einen Mann…


…der wollte die Wirklichkeit abbilden.


Und weil er schlau war, ging er gleich in den nächsten Spielzeugladen und kaufte sich eine Eisenbahn:

Eine Dampflok, der Nostalgie wegen, Trailer, Kühlwagen, Autos meinetwegen.

Er kaufte gleich weiter ein: Einen Modellbausatz Typ „Falkenau“ mit Fachwerkhausbahnhof, Unterstand und Überstieg, einen Landschaftsbausatz Typ „Walkenried“ mit Tunnelportalen, Grasfasern und  Plastikfelsen und einen Hausbausatz Typ „Idylle“ mit Bauernhofanlage, Silo, Zäunen, Kühen und Melkschemel.

Dieser Mann wollte die Wirklichkeit abbilden.

Und weil er kein Geld mehr hatte für Plastikmenschen, die er in diese dort hätte reinstellen können, machte er sich selbst zum Modell.

Und dort steht er nun. In seiner Wirklichkeit, auf dem Bahnhof, vor der Wartehalle mit der Bahnhofsuhr, die immer dieselbe Zeit anzeigt, in seiner blauen Schaffneruniform, der blanken Pfeife in der Hand, der rot-grünen Kelle in der anderen erhoben und regelt den Zugverkehr.

Still!

Hört man ihn?

Ein langer Pfiff.

Das leise Tschuuu–tschuu–tschu… tschuu–tschu–tsch…


Und seine Welt setzte sich in Bewegung.




*





Manchmal frage ich mich, wer sich so eine Seite anguckt, die eigentlich gar nicht existiert und nur Illusionen beschreibt. Von Wahrheiten ganz zu schweigen. Von der (kaum) niemand weiß, und die ich nur betreibe, um aus meinem einfachen Leben auszubrechen, nur ein wenig, auf der ich mich nur mit mir selbst beschäftige, weil ich nichts anderes kann, als mich mit mir selbst zu beschäftigen, und die mich nichts weiter kostet, als mit der Wimper zu zucken, wenn ich meine Schreiben, meine Miniaturen des Absurden mit dem Speicherplatz auf einem gefühllosen Server teile. 

Wäre meine Wirklichkeit so geartet, daß man mich 497-mal im Monat im realen Leben anschaute – und wäre ich nicht Supermarktkassiererin, Busfahrer oder ähnliches –, so müßte ich mein Blicken, mein Blick auf die Welt, der sich aus der Summe all meiner Erfahrungen speist, von den Milieus in denen ich zu Gast war und sie beobachtete, die mich prägten, die man so zu Gesicht bekommt, aber nicht dazu gehörte, womöglich überdenken. Wäre ich unsicher in den Gedanken, was andere darin finden. Und besähe ich mich selbst mit den Augen, die mich erblicken, erkenne ich mich dann mit demselben Erstaunen? Wäre ich dann andauernd damit beschäftigt, mich im Spiegel zu überprüfen, wie ich wirkte? Würde sich dann mein unbefangener Blick, den ich behaupte, mir erhalten zu haben, in lebloses Beschauen verlieren? Würde das Betrachtetwerden nur ein Ersatz für Nähe sein, Nähe, aber nur ein Ersatz dafür sein. 

Wäre meine Wirklichkeit eine sehr traurige. Und wollte sie nicht mit dieser derer tauschen, die sich darin erkennen mögen. Wäre meine Wirklichkeit eine andere, aber nicht mehr meine.

Warum auch? Menschen kann man nicht durchschauen. Menschen sind aus Fleisch und Blut. Könnte man sie durchschauen, so wären sie aus Glas. Man kann nur beobachten, was sie sagen und tun. Und mit dem abgleichen, was man selbst sagt und tut. Bleibt die Wirkung auf andere. Und die Wirkung auf andere ist geprägt durch das, was man selbst erlebt hat, in welchen Milieus man sich bewegte – ob man dazugehörte oder nicht, ob man sich dazugehörig fühlte oder nicht –, welche Umgebungen man dagegen mied, welche Sehnsüchte man suchte zu befriedigen und was man erwartete.

Erwartungen sind wohl die ärgsten Feinde gegen die das Innere kämpft. Man kann sie sich als Ritter in glänzenden Rüstungen in der Sonne vorstellen, die mit aufgestellter Lanze auf einen zureiten. Man trägt selbst so eine Rüstung, doch fühlt sich ungeschützt, weil man unter der Last der Erwartung zusammenfällt. Furcht blendet den Ritter. Der Rest landet im Staub der Pferdetritte. Blicke, Wirkungen, Erwartungen.

Ich für mich kann nur sagen: Ich blicke in alle Richtungen. Meine Wirkung kann ich nicht selbst beschreiben. Daß ich nicht viel erwarte. 

Ich schreibe nur meine kleinen Geschichtchen, überspitze sie ins Absurde, freue mich, falls sich andere daran erfreuen, wundere mich, daß es ein paar wenige tun, und bleibe ansonsten meiner Wirklichkeit treu, mehr noch, wenn sie sich ins Wohlgefällige wandelt. Empathisch, ja. Sehr sogar. An Gefühlen übe ich noch. Wahrscheinlich vier Leben lang.

Und manchmal frage ich mich, wer sich so eine Seite anguckt, die eigentlich gar nicht existiert und nur Illusionen beschreibt. Von Wahrheiten, all den schönen Wahrheiten ganz zu schweigen.





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