"Hallo" ist das Pfandleihhaus des "Aufwiedersehn"...



Miniaturen des Absurden

Betrete mit der Miene der Abfälligkeit und erhalte Einlaß

Vom Jardin du Luxembourg zum Panthéon brauchte es schon mehr als platonisches Innehalten, um sich Gehör für Gesehenes zu verschaffen. Da...

Sonntag, 30. August 2026

Seichte Beichte.

 


Der Vorteil, alles immer durch grüne Augen zu sehen: Die Ampeln stehen immer auf Grün.
Der Nachteil, alles immer durch grüne Augen zu sehen: Die Ampeln stehen immer auf Grün.





Weil ich gewitzt bin, nur Bauernschläue fehlt mir - und zur Bauernschläue das dazugehörige Geld, und fette Kühe und Säue -, habe ich mir vor 10 Jahren mal einen Spaß mit zwei impertinenten Promis auf Twitter erlaubt - ich bin scheu, aber nicht schüchtern -, Promis, die so gütig und gut sind, daß sie zuu gütig und gut schienen, als daß sie jemals Güte und Gute erfahren hätten, geschweige denn gegeben, wenn es ihnen nicht nützt, was mich reizt, mich, einem Burschen aus dem Pöbel - der ein bißchen gewitzt sein kann, um es ungewitzten Eingebildeten heimzuzahlen, stellvertretend für all ihre Opfer, die sie mit ihrer Borniertheit geschaffen haben beim einfachen Volk, all die Verletzungen, oder der unerträglichen Langeweile, die sie verbreiten, was das Schlimmste scheint -, habe einen Test mit ihnen gemacht, ob und wie sie reagieren, und wenn sie nicht reagieren oder reagieren, was das mit ihnen macht. 

Promis sind einfache Gemüter, nicht so komplexe und komplizierte Gemüter, wie einfache Menschen wie Du und ich, Promis sind den ganzen Tag heimlich online, sie lassen sich das aber nicht anmerken, sie mischen sich unter den Pöbel, es erinnert sie wohl daran, daß da mehr Leben ist als bei ihresgleichen, es erinnert sie daran, daß sie auch mal gelebt haben, bevor sie Promis wurden, diese besagten, impertinenten Promis habe ich also, ich hatte damals noch einen Twitter-Account - schon seit Langem habe ich keinen genutzten Account, kein Instagram oder sonstwas - ganz offen getaggt, Tweets voller Liebesbekundungen, nur ein paar wenige und alle auf einmal rausgeschossen, nicht zu viele, aber viele genug, damit sie für sie sichtbar werden, und dann nie wieder - wie gesagt, Promis können nicht anders, als online zu sein, dessen sollte man mal untersucht wissen, wenn Promis nur nicht so erbärmlich langweilig wären -, kurz: Der eine Promi hat nicht reagiert - und dadurch reagiert. Der andere Promi hat reagiert - genau, wie ich den ersten Promi schon eingeschätzt hatte. Ich hatte auf meinem damaligen Twitter-Account diese Seite hier verlinkt. Was ich nicht mehr mache, nirgends: Wer diese Seite hier findet, findet sie, weil man darüber stolpert - oder sie empfohlen wird, aus was für immer auch Gründen, oder aus verständlichen Gründen, hier wird einem nichts verkauft, hier kann man sich umschauen, blättern und stöbern, und wieder verschwinden, als wäre man nie hier gewesen. Und was war jetzt mit den impertinenten, zwei Promis? Hab' ich schon vergessen, nichts von Belang. Aber manchmal stelle ich mir vor, sie hätten all die Jahre hier heimlich gelesen, nach 10 Jahren noch! Und dann wäre das Experiment aufgegangen. Und sie hätten den Test nicht bestanden. 

Ich weiß, Hochmut kommt vor dem Fall, aber ich bin schon so oft gefallen und ich sag' immer, beim Hinfallen den Boden umarmen nicht vergessen. Ich weiß nicht mehr, ob das von mir ist, oder, ob ich das vor Jahrhunderten mal gelesen habe. Aber nach 10 Jahren kann ich mal hochmütig sein. Nur ein klitze-kleines, winziges bißchen. Man begehrt, was man sieht. Und verbrennt an dem, was man nicht haben kann. Besonders, die, die alles haben können. Ich habe kein schlechtes Gewissen. Ich werde immer auf Seiten der kleinen Leute stehen. Ich besitze ein kleines Talent, dafür setze ich es gerne ein. Es nutzt mir nichts. Das ist mir wichtig. Aber es bereitet mir eine diebische Freude. Ansonsten bin ich ein netter Mensch. Hihihi. Menschen haben mit mir Erfahrungen gemacht, das müssen nicht immer schlechte gewesen sein, das müssen nicht immer gute gewesen sein.

Ich bin echt.

Und, wenn es nicht so ist, und sie hier gar nicht lesen, dann lesen sie das hier ja auch gar nicht, hahahaha.

Noch besser. Das hier ist für echte Menschen. Und die liebsten Leser sind mir sowieso die, die wieder gehen.



Das Lesen hier ist kostenlos.

Aber es hat seinen Preis.

Keine gekauften Gefühle. 

Aber teuer bezahlt.

Die Seele, die Du verkaufst, könnte meine sein. 

Also handele nicht mit ihr.



No Refunds!







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Samstag, 29. August 2026

Verrückt, aber schön: Ashenputtel.

 


"Kiss my Ash.", auch von ihr.




Ash Callaghan - oder Ashleigh Callaghan, um Dich geleich abzutörnen - ist klinisch verrückt. Soweit, so gut. Clinically Insane, sagt sie selber. Ash Callaghan - die Erfinderin der "Ashthetics" - meint, "You can't eat an ice cream, when you're burning in hell.", das ist gut! Ist man dort doch mit anderem beschäftigt. Besonders, wenn man auf der  anderen Seite der Höllenbewohner steht, und für Eis jetzt keine Zeit hat. Ash - Ashenputtel, wie ich sie nenne - ist eine Youtuberin,  Instagramerin, TikTokerin, Engländerin, ein hübsches, junges Mädchen, magersüchtig, schön wie ein Model, das sich häßlich macht, überklug. Zu klug, zu hübsch, zu mit sich selbst beschäftigt, zu zu, 18 Stunden am Tag online. Das Mädchen hat schwere Probleme. Soweit, so gut.
 
Youtube und Instagram und Tiktok ist gemacht für Menschen, die schwere Probleme haben, das macht sie anziehend, das macht sie beschäftigend, das heilt sie aber nicht, sie haben immer noch schwere Probleme. Was mich nicht die Bohne interessiert. Ash hat was, was man in Deutschelande nicht sieht -auch wenn sie es immer behaupten, oder, wir sind in Deutscheland: Behaupten lassen - Ash hat was, was Du nicht hast, ich auch nicht: Sie ist lustig! Hauptsächlich redet sie wie ein Wasserfall über Dinge, die mich nicht interessieren: Über Fashion. Ihre Karriere als Ärztin auf der Medical School mußte sie aufgeben, weil sie zwangseingewiesen wurde. Nach ihrer Lobotomy, wie sie sagt, geht es jetzt wieder weiter im Schedule auf Youtube. Es war nur Vacation nach einem schwerem Job, einem proper Job, den sie nicht hat. In einem Kommentar unter einem ihrer Videos steht sinngemäß das, was jeder Mann sofort denkt: Ash ist das Mädchen aus den Hollywoodfilmen, die, wenn sie ihre beknackte Brille abnimmt und ihren Ponytail öffnet, zum Supermodel wird. Macht sie aber nicht, sie will häßlich sein. Sie will das häßliche Entlein sein. Natürlich weiß sie, daß sie bildhübsch ist. Und sie ist lustig. Ihre 98,5 % weiblichen Youtube-Zuschauer wissen das. Der Critical Drinker hat 95 % männliche Zuschauer. Wenn Du also keinen deutschen Schrott mehr sehen willst, mit immer denselben Slopmenschen, Schrottmenschen, Wichtigtuern, schau' Dir Ash an, die ist wirklich klug. Und schau' Dir den Critical Drinker an. Der ist Schotte. Vielleicht kommen Ash und der Critical Drinker, Will Jordan, ja zusammen. Das würde knallen! Sie würden sich hassen! Hahaha. Geil! Ich würd's mir anschauen. Das wäre wirklich wie bei Ashenputtel. Happy End nicht ausgeschlossen. Die Briten sind der Grund, warum man kluge Menschen wie Dich und mich erfunden hat, um darüber zu schreiben, und Dich, um darüber zu lesen. Hehehehe.



Selbst das nicht mehr!








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Dienstag, 11. August 2026

Sterbende Pferde sollte man nicht besteigen.

 


Yoshitomo Nara - "Knife Behind Back". Messer hinterm Rücken. 26 Millionen Dollar.
Hinter Gittern.






So, 16:54 Uhr, hab' die Kleine endlich hinter Gitter gebracht. Da gehört sie hin. Kein Mitleid, die Kleine ist eine Krimminelle. Hab' "Krimminelle" falsch geschrieben. Mit zwei M. Ich find's so schöner! Hahaha! Die Wärter trauen sich noch nicht, ihr das Messerchen abzunehmen, aber warte ab, kommt noch! Dann wird ihr noch das Nicht-Lächeln vergehen! Und während ich noch überlege, wie lange sie wohl sitzen müßte, packe ich die Spray-Dose mit grauer Farbe wieder ein, verstaue sie im Rucksack, gehe unaufgeregt am Wächter im nächsten Raum vorbei, der nichts bemerkt hatte, und verließ das Museum wieder so, wie ich es betreten hatte, durch den Vordereingang.

"26 Millionen Dollar", pfiff ich Luft durch die Zähne. "Für'n Arsch!"
"Sollen sie mir mal 26 Millionen zahlen. Dann kritzel' ich ihnen was auf den Arsch."

Yoshitomo Nara prangte da. Life - But Childish. Auf dem Museumsbanner.

Die Bushaltestelle war nicht weit, ich kam noch wütend an, was mich freute, da kamen zwei Pferde mit Reiterinnen die Straße lang. "Sucht euch eine Weide!", schrie ich sie an. 
Schrie ich sie in Gedanken an. Braucht' keiner wissen, was ich so denke. Was ich so in mein Gehirn schreie. Während ich auf den Bus warte und Passanten checke. Schon sicher nicht auf der Straße. Wenn ich draußen bin. Wenn ich schon mal draußen bin. Sollten sich andere darüber freuen! Da brach das Pferd zusammen. Das Vordere. Die Reiterin fing den Sturz ab und landete auf verdrehten Beinen in Reiterhosen. Deshalb diese Hosen. Sie rissen auch nicht, auch nicht bei einem Sturz. Wer wollte sich schon eine Blöße geben. Beim Sterben. Beim Nichtsterben. Bei schlanken Beinen.

Ich kramte in meinem Rucksack, wühlte mein Notizbuch raus, was ich für solche Fälle dabeihatte, Spray-Dose brauche ich grad' nicht, die anderen Dinge erwähne ich nicht, und notierte mit Stift, den ich erst zum Propeller zwischen meinen Fingern machte:

Pferd gestorben. Auf der Straße. Doof, daß das Pferd dem Schlachter nicht mehr entgegenlaufen kann. Hoffentlich muß der Bus nicht warten. Punkt. Punkt unterstrichen. Ist wohl Tierwoche.

Darüber stand noch, bei einem vorherigen Eintrag:

"Die Kritiker der Elche sind selber welche." Von wem das ist, weiß ich nicht. Aber ich schreibe:

Die Elche, welche Kritiker sind, sind niemals welche. Schon gar nicht Elche.

Daher Tierwoche. Dann klappte ich das Notizbüchlein wieder zu, propellerte den Stift zwischen den Fingern, ließ ihn verschwinden, so, wie ich ihn herzauberte, aus dem Nichts, Büchlein in den Rucksack, zu, und wieder Rucksack auf den Schultern.

Der Bus kam. "Verknödelt Euch endlich!", schrie ich die aufgelösten Reiterinnen an. Die Zweite versuchte, ihr Pferd im Zaum zu halten,  es stieg auf. Und ab. Und auf. Es hatte wohl einen Freund verloren. Oder ahnte ähnliches Schicksal. Was noch schlimmer war. Zu wissen, daß es treffen könnte. Lieber dann den Freund. Vermissen. Kann man immer noch. 
"Verrührt Euren Quark woanders! Der Bus kommt!",  schrie ich. Wieder nur ins Gehirn. Kein Laut von mir, kein Mieps. Nur sorgenvolles Gesicht als Miene, falls eine der Reiterinnen kurz in meines blicken sollte. Ich war Mitgefühl. Mein zweiter Name.

Der Bus schaffte es doch irgendwie, mich aufzulesen. Was man alles erlebt in dieser Stadt.

"Yoshitomo Nara. 26 Millionen Dollar. Für den Arsch."


Mein Ticket war noch für den ganzen Tag gültig. Freude ist nur die Abwesenheit von Glück.

Zum Glück hab' ich den Bus nicht verpaßt. Zum Glück für den Bus. Und zur Freude für mich.


Dafür die Drücker. 



Den nächsten Halt wähle ich. 










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Montag, 10. August 2026

Female Fatigue.

 


Die Zeit-um von gestern.






So, 17:45 Uhr, und die Bord-Zeitung der Titanic "Die Zeit-um" so: "Gerüchte über eine Kollision mit einem Eisberg sind rassistisch!". Oder: "Verschwörungstheorie über Kollision mit einem Eisberg". Oder: "Fake-News über Kollision mit einem Eisberg". Oder Analyse: "Warum Eisberge misogyn sind -und was man dagegen jetzt tun kann".

18:13 Uhr, früher schruben sie bei Twitter, um bekannt zu werden. Heute schreiben sie für "Die Zeit-um", um entkannt zu werden. Ich gucke Youtube. Aber ab und zu gucke ich Instagram, um die Lobby zu checken. Die übliche Instagram-Seite auf dem Laptop sieht so aus: Oben links ist das Cover des neuen oder ersten Buchs. Dann sind Mug-Shots, also Fressebilder der Autoren rechts und darunter angeordnet. Die Autoren schruben alle bei Twitter, bevor es X wurde. Zeitungen haben dann die Twitter-Autoren eingestellt, um Artikel so zu schreiben, wie sie auf Twitter schreiben, dann haben Verlage die von Zeitungen eingestellten Twitter-Autoren eingestellt und beauftragt, Bücher so zu schreiben, wie sie auf Twitter schreiben. Dann haben die Twitter-Autoren auf ihrer Instagram-Seite ihre neu-geilen Cover nach oben links gesetzt, in den Kommentaren Shills, also bezahlte oder unbezahlte Lobhudler, die jeden Schrott und Slop verteidigen, weil sie ihn verteidigen müssen, oder die Autorin bumsen wollen. Dann haben Instagram-Stalker nicht mehr die Instagram-Seiten der Twitter-, Zeitungs-, Verlags-Autoren geguckt, weil immer das gleiche Gebumse, dann sind Instagram-Autoren zu Youtube gegangen, weil sie durch Klicks gefickt werden wollen, weil das geguckt wird, sind aber entsetzt, daß sie keine Klicks haben, und ungebumst bleiben, obwohl sie die Geilsten sind. Dann sind Zeitungen zu Youtube gegangen, weil das geguckt wird, dann ist das Staatsfernsehen zu Youtube gegangen, weil das geguckt wird, geguckt werden aber nur Clan-Krimminelle (Spiegel), Handwerker, Tiny Haus und Wohnen (Staatsfernsehen) und Internet-Slop (Die Zeit). All die schönen Instagram-Autoren, die sich "Schriftsteller" nennen lassen, aber lieber Millionärs-Wives wären, werden nicht auf Youtube geglotzt. Hemingway und Thomas Mann waren Schriftsteller. Nicht Deine übliche Zeitungs-, Fernsehns-, Verlags- und Buch-Hure.

Zeitung. Mit der Zeit stehengeblieben. Um Zeit abzusitzen. Zeit verschwenden. Zeit um.

Die far-left-e Zeitung "Die Zeit-um" - nicht zu verwechseln mit der Zeitung "Die Zeit", um sie nicht mit der "Zeit-um" zu verwechseln, die ist nie um, die Zeit, außer in einem Schwarzen Loch, dann ist "Die Zeit" um, wie bei der "Zeit-um", ob far-left oder Left Over, drum gehe nie alleine in ein Schwarzes Loch, nimm einen Beobachter mit, der verändert durch das Beobachten das Geschehen-Sehende, sonst ist auch Deine Zeit um, sei's drum - hat ja eine Paywall, eine Mauer. Sie haben sich eingeschlossen. Es ist eine Gefängniszeitung. Nur die Gefängnisinsassen können sie lesen. Mit strengen Gefängnisregeln. Und kleinen, heimlichen Phluchten der Insassen. Draußen liest sie keiner, der nicht ins Gefängnis will. Daher berichten auch andere Zeit-ummen, die man in Freiheit lesen kann - wohl, weil sie wohl nichts anderes zu tun haben, oder doch Nägel schneiden für den Badesee? -, auch über Artikel, die im Gefängnis innen drinnen erschienen sind. Die kleinen, heimlichen Phluchten finden im Geheimen statt. Kleine, beschriebene Papierröllchen werden nach draußen geschmuggelt. Jede Revolution fängt mit einem Lächeln an. Gefängniswärter werden angelächelt. "Nein. Alles gut.", sagt man freundlich. Und lächelt. Bis zum nächsten Aufschluß. Nun, wie dem auch sei. Sie berichten drüber. Sonst wüßte man nichts von ihr. Das ist schon meta. Sonst würde niemand erfahren, was da drinnen vor sich geht, was da besprochen wird. Gruselig ist, wenn eine Gefängniszeitung über eine andere Gefängniszeitung schreibt. Das ist meta-meta-gaga. Es schreiben Zeit-ummen über andere Zeit-ummen, und die schreiben wieder über die erste Zeit-um. So geht das hin und her. Manchmal berichten sie über Gefangenenaustausch. Dann wechselt ein Gefängnisinsasse von einer Gefängniszeitung zur anderen Gefängniszeitung in einem anderen Gefängnis. Dann sind sie auf Transport. Keine Sau interessiert das. Keiner liest mehr Zeitverschwendungen. Keiner liest mehr Zeitungen. Zeit um. Wenn, dann liest man kleine, beschriebene Papierröllchen. Heimliche Phluchten. Heimliches Auflachen. Heimliches Freu-hehe-en. Ansonsten: Heute findet sowieso alles auf Youtube statt. Findest Du nicht auf Youtube statt und hast Klicks, findest Du nicht statt.

Was ich so auf Youtube gucke: So, 05:14 Uhr, sehe gerade eine Doku über Sophie Taeuber-Arp von 2013, die Frauen vor 13 Jahren waren freundlicher, was ist passiert? Gucke jetzt eine Kunstdoku über die Neue Leipziger Schule. So, 00:08 Uhr, immer noch Doku Neue Leipziger Schule, da gerade ein gutes, angeblich afrikanisches Sprichwort "Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht." Warum bin ich nicht darauf gekommen? Und die Bäume haben alle ihre Blätter, schön! Die Blätter haben all ihre Bäume. Noch schöner. Fällt mir gerade ein, zum Sommer vorm Fenster. Baden auch schön. Ich schreibe ja Tagebuch. So, 01:42 Uhr, gerade eine Doku über Max Beckmann gesehen, den Maler, es sind immer die phantasielosesten, kreativlosesten Menschen, die in Museen arbeiten, mit durchgeknallten Frisuren und grellem Lippenstift. Man möchte sie, vom Maler abstrakt bemalen lassen. So, 23:55 Uhr, Neo-Rauch-Doku, Leipzig ist seine Heimat, ich bin nicht in meiner Heimat, (Frauenname) ist meine Heimat. So, 23:37 Uhr, gucke eine Doku über Gerhard Richter von 1992, damals war er 60 Jahre alt, da sieht man ihn auch malen, die richtigen Bilder, gut. Alle Maler und Bildhauer, die ich mir ansehe, haben das Malen gelernt. Sie haben es ge-lernt. Wie ein Bäcker oder Metzger oder Fleischer. Durchs Bäckern, durchs Metzgern, durchs Fleischern. Ich habe das Schreiben gelernt - das sage ich ganz selbstbewußt - durch das Schreiben, das Bäckern, das Metzgern, das Fleischern eines Romans, 8 Stunden am Tag, eher in der Nacht, 5 Jahre lang, 5 Nächte die Woche, 1.255 Seiten. Versteckt, wie "Hallo" ist das Pfandleihhaus des "Aufwiedersehn". Und schön. Und schrecklich. Und dann kommt noch Biographie dazu. Und (Frauenname). Hab' spät angefangen. Mit 32. Ich wollte ein Buch schreiben, und hab' es getan. Ich hab' damit alles gesagt, mit dem Buch, was ich zu sagen hatte. Jetzt schreibe ich nur noch im Liegen, links seitlich liegend im Bett, schön gemütlich, das hier alles, all die Miniaturen des Absurden, all die Geschichten, all die Aufbegehrungen, sind nur mehr Gemurmel vor dem Einschlafen. Es sollen keine schlimmen Träume werden. Werden sie aber. Es sind diejenigen, denen man es nicht zutraut, die Dinge können, die andere für sich behaupten. Solange sie Biographie haben, können sie für sich etwas erschaffen, was anderen mißlingt, die es wollen, um es anderen zu verkaufen. Und ich habe das Schreiben gelernt, als Kind, durch ein Buch "Wie schreibt man einen Brief", Anschrift, Adressat, "Sehr geehrte Damen und Herren, ...", was ich durch Neugier gelesen habe, ohne, daß mich jemand gezwungen hätte. Es war einfach da. Und ich war da. Und ich habe das Schreiben gelernt, dadurch, daß ich nichts geschrieben habe - das waren meine besten Geschichten - und dadurch, daß ich nicht gelesen  werden muß - das waren meine besten Leser. Und schon immer nicht gelesen wurde. Hab's trotzdem gemacht. Ich schreibe nur für mich, dadurch habe ich das Schreiben über mich gelernt. Und - man muß Sachen von sich preisgeben - dadurch lernt man das Schreiben über andere. Sonst ist man nicht echt. 23:47 Uhr, Gerhard Richter beim Malen eines abstrakten Bildes mit Rakel, Sprecher: "Manches Zwischenstadium wirkt verführerisch, aber es hält nicht lange." Das ist gut. 23:57 Uhr, in der Gerhard-Richter-Doku wird behauptet: "Kunst ist die höchste Form der Hoffnung." Das sehe ich nicht so. Beifall ist die höchste Form der Verachtung, habe ich mal geschrieben, fällt mir gerade ein. So, 02:02 Uhr, man muß sich auch wieder eine gewisse Naivität erarbeiten, dann lebt man besser und länger, nehme ich mir vor. Thomas Schütte, Stephan Balkenhol, beides Bildhauer, gut. Und Autos und Möbel und The Critical Drinker gehen immer auf Youtube. Die Titanic ist auch ein Gefängnis. Manche konnten ausbrechen. Manche lesen noch die Zeitung an Bord. Manche wollen noch zuende lesen. Lesende sollte man nicht aufhalten. Mehr Platz dann in den Rettungsbooten.

Papierboote.

Nur. Woher all die Papier-Rettungsboote nehmen?


Habe ich letztens gelesen: "Hund gibt Frau ins Tierheim - zu wenig Gassi"

War wohl Female Fatigue.


Stimmt gar nicht. Habe ich mir ausgedacht. Ich lese gar nicht. 

Steht aber jetzt so in der Zeit-um.









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Donnerstag, 6. August 2026

Hanne auf dem Mond.

 


Der Mond.




Hanne hatte ein kleines Häuschen auf dem Mond. Sie fegte den Mondstaub vor der Tür. Klopfte den Fußabtreter aus. Sie kam mit einer kleinen Rakete freitags angeflogen und blieb übers Wochenende. Sie goß gerade die Geranien vor den Fenstern, als... 

...als eine Frachtrakete angeflogen kam. Sie landete direkt neben Hannes Häuschen und entlud ein anderes Häuschen, das stand nun direkt neben Hannes Häuschen, wohl, damit es nicht so einsam war. Häuschen und Häuschen macht schon mal aus keinem Haus ein Haus. Hanne ging vor die Tür, besah den Schlimassel, streckte die Arme aus, hielt sie vor dem anderen Häuschen, als wollte sie so das Häuschen, das nicht anders war, als ihres, mit den Händen greifen und ein Stück zur Seite versetzen. Was aber mißlang, die Hände steckte sie dann in die Hüfte. Sie ging wieder rein. Nach dem Wochenende flog sie mit ihrer kleinen Rakete wieder weg. Am nächsten Freitag, zum Wochenende, kam sie wieder. Sie sah, daß ein Rollrasenteppich vor dem anderen Häuschen ausgelegt war, in den Fenstern hingen Blumenkästen, auch die hatten jetzt Geranien. Hanne verschwand in ihrem Häuschen, lüftete und tat dann das Wochenende über nichts weiter. Am Montag flog sie wieder heim. 

Am nächsten Wochenende kam sie wieder, wieder freitags, sie sah jetzt Kinder, es waren wohl an die drei, vor dem anderen Häuschen spielen, ein Ball rollte, Hanne ging ins Häuschen, sie lüftete. Hanne verbrachte das Wochenende mit nichts, sie saß am Fenster in ihrem Sessel, ab und zu schaute sie heraus, beobachtete die Kinder vor dem anderen Häuschen, setzte sich wieder in ihren Papa-Bear-Sessel und schlug ihr Buch auf, blätterte ein paar Seiten vor, weil das Kapitel langweilig war und setzte beim neuen Kapitel mit dem Lesen wieder an. Am Montag flog sie wieder mit ihrer kleinen Rakete heim. Am nächsten Freitag kam sie wieder. Die Kinder spielten vor dem anderen Häuschen, jetzt waren es vier, eine Freundin war wohl zu Besuch. Hanne ging zu ihrer Tür, sie stoppte, auf dem Fußabtreter lag ein kleines, rosa Paket mit roter Schleife. Hanne nahm es auf, nahm es mit herein, kam kurze Zeit später wieder raus, sie hatte ihre Schürze an und den Besen in der Hand und fegte den Mondstaub vor ihrer Tür. Dann klopfte sie den Fußabtreter aus. Hanne verbrachte das Wochenende mit nichts, sie saß in ihrem Sessel am Fenster, las ihr Buch, blätterte wieder ein Kapitel vor, weil auch dieses langweilig war und setzte im nächsten Kapitel an. Die Kinder lachten, Hanne sah ab und zu aus dem Fenster und beobachtete sie. Irgendwann liefen sie ins Haus, es gab wohl Abendbrot. Auf Hannes Sesseltischchen lag das rosa Paket mit roter Schleife, sie besah es, dann öffnete sie es. Darin war ein Törtchen. Hanne holte eine Kuchengabel aus der Küche, setzte sich wieder in ihren Sessel und aß das Törtchen, langsam, weil es lecker war, und geschenkt, dadurch noch langsamerer, am Ende leckte sie die Kuchengabel ab. Dann nahm sie ihr Buch wieder zur Hand, suchte ihre Lesebrille, fand sie auf der Nase und blätterte einige Seiten vor, weil das Kapitel langweilig war und setzte an späterer Stelle wieder an. Es war ein dickes Buch, es war schwanger, und wie bei jeder Schwangerschaft, bei der man etwas zunahm, nahm das Buch auch ab, mit den noch restlichen Seiten, die sie übersprang, oder las. 

Am Montag flog Hanne nicht mit ihrer kleinen Rakete heim, sie hatte Urlaub und blieb die ganze Woche. Hanne ging früh ins Bett, sie hatte ein Einzelbett, und es sah aus, wie das Zimmer von van Gogh. Sie hatte sogar ein Bild von dem Zimmer von van Gogh mit dem Einzelbett in ihrem Zimmer mit Einzelbett. Hanne schlief lange aus. Ein neuer Tag. Hanne goß die Geranien. Der Mond war rund, so schien es ihm lieber, sie frühstückte in der Stube, dann packte sie ihre Sonnenliege, stöhnte sie durch die Tür und stellte sie vor dem Haus auf. Sie stellte noch einen Hocker daneben, darauf ein Glas frischgepresster Orangensaft mit zwei Eiswürfel, irgendwo hatte sie noch einen  Sonnenschirm, der war gelb und orange, wie der Orangensaft und dann ihre Zunge nach einem kräftigen Schluck, lag endlich und zupfte ihren Tankini zurecht. Das schwangere Buch hatte sie zur Hand, die Füße hoch, noch die letzten Seiten. Drei Seiten vor Schluß schlug sie das Buch wieder zu, so machte sie das immer, sie wollte nicht wissen, wie es ausgeht. Vor einer Geburt wollte man ja auch nicht wissen, wie es ausgeht. Das Buch legte sie auf den Hocker, dann machte sie die Augen zu. Sie wird sich ein neues besorgen. Hanne schlief den Mittag über, wachte dann auf, suchte ihre Lesebrille, fand sie in den Haaren vor. Irgendwann kam ein Mädchen aus dem anderen Haus, es ging auf Hanne zu. Hanne dann bemerkte erst, daß ein Junge, alt genug, zu stehen, neben ihrer Liege stand. Der hatte Augen. Groß, wie sie bei Kindern sind, die nichts oder alles sahen, und gerne standen. Das Mädchen holte den Jungen an der Hand und zog ihn zum Sandkasten vor dem anderen Haus, der neu errichtet war, ein Eimer, eine Schaufel, gelber Sand, mehr brauchte es nicht, jeden Streit zu schlichten, oder zu entfachen. Hanne klappte ihre Liege wieder zu, packte den Sonnenschirm, der paßte so nicht durch die Tür, er blieb davor, sie kam wieder aus dem Haus, holte Hocker, gebärtes Buch und Orangenglas, brachte alles rein, dann zog sie sich ihre Schürze um, noch im Tankini. Hanne ließ das Radio laufen, dann tüdelte sie rum. 

Am Samstag kam eine gelbe Schulbusrakete und holte die Große ab, sie wurde eingeschult. Hanne sah noch Rock und Hose der Eltern und Rock und Hose der Großeltern, bis alle in die Schulbusrakete stiegen. Eins, zwei, drei Kinder, auch die Schultüte hatte die Form einer Rakete, war aber rot und weiß, und die Größe einer Kleinen. Hannes Urlaub war fast gänzlich rum. Hanne nahm sich vor, gelassen zu bleiben. Sie wollte nicht wissen, wie es ausgeht, wie bei einem schwangeren Buch, wie bei einer schwangeren Geburt, wie mit ihren neuen Nachbarn auf dem Mond.


Hanne hatte ein kleines Häuschen auf dem Mond. Hanne bestieg ihre Rakete am Montag und zischte los.







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Mittwoch, 5. August 2026

Die Luft, die ich draußen schnappe, atme ich Zuhause ein. Nachdem ich sie vorher in den Kühlschrank legte. Von Vorgestern war noch welche da, heute kam ich keuchend wieder. Nicht überlegen, gleich alle auf einmal.

 

So, 09:04 Uhr, ich hob die Straße an, als wäre es eine Decke, bekam sie gleich an der Zipfelecke zu fassen und schlug sie um. Das Auto an der Seite war auch nur bedruckter Stoff, ich machte gleich mit dem Bürgersteig weiter. Ich hatte also die ganze Straße von den Decken befreit, darunter kam Fell zum Vorschein. Es sank und hob sich. Die Erde lebte. Streicheln wollte ich. Ich stand auf dem Körper. Brauche es niemandem zu sagen: Die Erde ist ein Tier, die ganze Kugel. Warum steht das nicht in einem Buch? Bücher sind nicht gefährlich, Menschen sind gefährlich. Wissen ist gefährlich. Ich schlug die Straße wieder um, das Auto, den Bürgersteig. Alles war, wie vorher. Der Verkehr rollte. Brauchte keiner wissen. Ich rannte, denke ich, um mein Leben, um es lieb zu haben. 




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